Vom nichtverlieben

Ich wollte euch etwas schreiben. Über das verlieben. Wollte mir was schreiben. Über dieses verliebt sein. Ich habe schon begonnen…

[Wie schräg es ist, dieses sich Verlieben. Meistens trifft es einen dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Weil Dinge immer dann geschehen, wenn man sie nicht erwartet. Wie langweilig das Leben wäre, würde man jede Kleinigkeit erwarten, sie erahnen, nur um sie dann kaputt zu machen, bevor sie geschehen können. Man könnte keine lustigen Geschichten erzählen wie man mit voller Wucht gegen Supermarkttüren gelaufen ist. Nicht das mir das passiert wäre. Und so wie man total unvorbereitet, gegen diese halbgeöffnete Eingangstür rennt, obwohl man die Ausgangstür verwenden sollte, so trifft einen dieses sich verlieben. Man ist nicht vorbereitet und vielleicht kennt man es gar nicht mehr. Dieses murmelige eigenwillige Gefühl im Bauch, dass man oft als Darmverstimmung wahrnimmt, wenn man schon vergessen hat, wie diese Schmetterlinge durch einen toben und einen keinen klaren Gedanken fassen lassen. Man lief durchs Leben, war zufrieden, hatte vielleicht wenig Sex und diese eigenartigen Streicheleinheiten von denen sie alle reden. Doch man war zufrieden und hatte nicht das Bedürfnis etwas dran zu ändern. Weil es einem gut ging.]

… doch wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung. Verknallt war ich. In viele. Oh, wie sehr ich mich verknallt habe in Berlin. In dieser Stadt in der man die geilen Kerle nicht suchen muss. Dort sind sie überall, in der S-Bahn, am Bankschalter oder einfach mitten auf der Straße. Man beginnt seinen Kopf so weit drehen zu können, wie das kleine besessene Gör im „Exorzist“. Doch vom wirklichen Verlieben habe ich keinen blassen Dunst. Ich habe eine Vorstellung von dieser Liebe. Ich habe ein Bild in meinem Kopf, wie es sein sollte. Ich hatte gedacht, vor einigen Jahren, ich hätte genau das gefunden. Liebe. Doch wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch heute nicht, ob es das wirklich ist. Ich hatte den Brummkreisel im Bauch. Er schaffte es, mich mit einem einfachen Kuss in den Weichkniemodus zu beamen. Aber ist es das? Sieht sie so aus?

Ich hatte noch nie im meinem ganzen Leben ein Date. Und das mit 26. Muss man das haben, um sich zu verlieben? Ich wüsste nicht was ich machen sollte, bei so einem Aufeinandertreffen, das nur eine Absicht hat. Dieses sich nahe kommen. Mental wie körperlich. Ich könnte wohl gar nicht damit umgehen, wenn mich jemand darum bittet. Um so ein Date. Ich würde es schon allein aus purem eigenen Unvermögen absagen, ich wäre überfordert. Und funktioniert dieses Lieben ohne erstes Beschnüffeln? Und haben wir uns alle nur durch Hollywood und Schmonzettenfilme verderben lassen, indem, was wir von der Liebe verlangen? Ist es vielleicht viel einfacher und wir machen es uns nur unnötig schwer?

Die Liebe macht mir ein bisschen Angst. Weil sie höchstwahrscheinlich nicht das ist, was alle erwarten. Sie ist wahrscheinlich etwas viel Unfassbareres. Etwas, was man nicht in Lieder packen kann, nicht in Texte oder in Berührungen. Etwas, was so tief in einem wohnt, sodass man es kaum wahrnimmt. Weil es „normal“ ist. Weil es einfach da ist wie Hunger, Durst und Pinkeldrang.

Also kein Text über das Verlieben. Ein Text darüber, dass mir das Verlieben schwer fällt. Ein Text darüber, dass es mir Angst macht, weil ich es nicht kenne und ich ein Mensch bin, der vor allem Angst hat, was er nicht kennt. Wie die ersten Schritte in einen dunklen Raum. Die schwersten und die, die einen aufschrecken lassen sobald man ein unbekanntes Geräusch hört. So stelle ich sie mir vor. Die Liebe. Wahrscheinlich auch eins dieser falschen Bilder. Doch gibt es in der Liebe ein richtig oder falsch?

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4 Gedanken zu “Vom nichtverlieben

  1. toll finden kann man so viele… da laufen so viel geile stücke draußen rum…

    verlieben is (so seh ich das), wenn man den anderen KENNT, und ihn immer noch für ein geiles stück hält. sag ich jetz ma so.

  2. jaja, was der bauer nicht kennt, das frisst er nicht. ich sach ma so: no risk, no fun. und das gilt ganz besonders für zwischenmenschliche … äh … dingsbums…

  3. Wow. Ich habe glaube ich noch nie einen Text so aufmerksam gelesen. Danke. Und danke, dass ich jetzt weiß, dass ich nicht die einzigste bin, der es so geht.

  4. gut geschrieben. mir geht es ebenso. wir sind kaputt. ich weiß nicht was liebe ist. wie das mit dem verlieben geht oder wann es verlieben ist. ist es wie bei einem orgasmus – man hat es einmal und dann trifft einen die erkenntnis: das isser! (habe orgasmus extra nachgeschlagen). vielleicht ist verlieben genau der punkt wo man gar nicht mehr viel dazu sagen will sondern es einfach leben? who knows

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