Dummbrot

Damals an der Uni lief ich fast jeden Tag an einer Tür vorbei, an der ein Artikel hing. Es war die Kopie aus irgendeiner Zeitschrift und nach zigmaligem daran vorbeilaufen, wurde die Neugier doch so groß, sodass ich den Artikel las. Es ging grob zusammengefasst darum, dass dumme Menschen nicht erkennen, dass sie dumm sind. Wie man zu dieser grandiosen Erkenntnis kam, weiß ich nicht mehr. Schlussendlich hieß es jedoch darin, dass sich dumme Menschen ihrer Dummheit nicht bewusst sind und sich sogar noch für ziemlich schlau halten.

Und da ich mich in den letzten Tagen mehr oder weniger erfolgreich mit dem Anhäufen von Wissen beschäftigt habe stellt sich mir die Frage, ob ich persönlich jetzt eigentlich einer dieser dummen Menschen bin, der es einfach nicht checkt, dass er dumm ist.

Es stellt sich mir grundsätzlich die Frage, ab wann ein Mensch intelligent bzw. klug ist. Ist es das Allgemeinwissen oder die Literatur die er gelesen hat? Sind es die
verschiedenen Sprachen die er beherrscht oder kann man Intellekt wirklich am Bildungsgrad festmachen? Muss man, um als klug zu gelten, ein Profi in einem bestimmten Bereich sein oder reicht es aus, wenn man sich für viele Dinge interessiert und vielleicht sogar begeistern kann? Muss ich bestimmte Verhaltensmuster mein Eigen nennen um mich klug nennen zu dürfen oder reicht es aus, dass man selbst weiß was man kann und was nicht?

Da man, wenn man dem Bericht glauben darf, sich selbst in der Frage nicht vertrauen darf, weil man sich als dummer Mensch selbst vorgaukelt klug zu sein, wann erkenne ich, ob ich ein Toastbrot bin? So rein geistig jetzt.

Und es stellt sich mir die Frage: Bin ich dumm und merke es nur nicht?

Wenn ich Menschen treffe gibt es diese Personen, bei denen ich ehrfürchtig lausche wenn sie etwas erzählen. Weil sie so eine Intelligenzwolke umgibt, die mich fesselt. Ich mag es, wenn Menschen Fremdworte richtig benutzen ohne dabei arrogant zu wirken. Es gibt ja Leute, die sprechen Desoxyribonukleinsäure nur aus,
um einem zu zeigen, dass sie in Biologie immer brav aufgepasst haben (ja, ich hab dieses Wort gerade gesuchmaschint!). Obwohl ich mich ja selten über DNS unterhalte, schaffen es solche Leute dieses Wort irgendwo unterzubringen. Weil es oft das einzige Wort ist was sie kennen, was sich ein bisschen nach Bildung anhört. Und wenn es nur beim Spielen von Hangman ist. Aber diese Menschen, die einem das Gefühl geben, dass man ganz schön dumm ist, es aber nicht bewusst machen, weil es für sie normal ist, so klug zu sein, die mag ich. Ich mag Eloquenz. Ich mag es, wenn Menschen Antworten auf meine Fragen haben und ich mag es noch mehr, wenn sie mir das dann auch so erklären, dass ich es verstehe. Ich mag es nicht wenn Menschen besserwissern. Ich muss zugeben. Ich mach es. Ich weiß immer alles besser. Aber auch nur, wenn es auch wirklich so ist. Ansonsten halte ich meine Klappe. Und ärgere mich heimlich, dass ich davon keine Ahnung habe.

Und dann treffe ich natürlich auch gerne auf diese Dummbrote. Die Leute müssen meist nicht viel sagen, man sieht ihnen an, dass sie bei der Hirnverteilung im Himmel mal kurz auf dem Klo waren. Vielleicht lachen auch genau diese Personen deswegen so gerne über Fäkalien. Statt Hirn gabs Scheißhaushumor. Es sind diese Leute, die sich aber selbst für total smart halten. Die von allem eine Ahnung haben und alles besser wissen. Woher sie dieses Wissen haben, wissen sie meistens selber nicht. Vielleicht von „Gallileo“ oder „Talk Talk Talk“. Von ihnen sind diese Sätze, die mich würgen lassen. Diese wertfreien Aussagen, die meistens den geistigen Inhalt einer leeren Brotdose enthalten. Sinnfrei, wertfrei und meistens auch noch grammatikbefreit. Einer meiner
Lieblingshasssätze ist:

„Bücher? Kenn ich nicht!“….

(Ich hatte ja mal so einen Kandidaten
vor mir, der mir ellenlang was von E-Books vorschwafelte und als ich ihn dann fragte, ob er denn jemals ein Buch in den Händen hatte, und ihn daran erinnerte, dass die abgewichsten Onanierheftchen seines Vaters nicht zählten, kam dieser Satz. Danke für das Gespräch.)

Die Fragen die sich mir aber durch das
alles in den Kopf pflanzen ist, kann man nur zwischen „dumm“ und „klug“
unterscheiden? Es gibt doch da sicher diese feinen Nuancen und wo gehöre ich jetzt dazu? Und muss es mich eigentlich interessieren ob ich jetzt dumm bin oder klug, solange ich mich in meinem eigenen Zimmer nicht verlaufe? Und vor allem was habe ich davon, wenn mich Andere für eins von beidem halten? Naja, wohl zu viele Fragen für so ein Dummbrot wie mich. Ich geh jetzt erst mal in das Internet und Suche Fäkalwitze.

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5 Gedanken zu “Dummbrot

  1. intelligenz und klugheit sind sehr verschiedene geistesgaben. die reine kulturfreie also voraussetzungslose intelligenz wie sie der mensatest mißt ist eine weit weniger nützliche fähigkeit für ein geglücktes leben als man gemeinhin annimmt. es ist als ob man schneller laufen kann als andere, dadurch weiß man jedoch noch nicht unbedingt wohin man laufen soll. außer für leute die jetzt dezidierte geistessprinter sind wie theoretische physiker oder mathematiker ist reine intelligenz nicht so der bringer wie oft geglaubt wird. die meisten leute verwechseln auch meist intelligenz mit bürgerlich akademischem habitus.

    klugheit braucht ein gewisses maß an intelligenz beruht jedoch viel mehr auf emotionaler reife, wenn beides zusammenkommt nennt man das dann urteilsvermögen und das ist viel wert, nicht unbedingt zum gewinn eines nobelpreises, aber um im leben keine all zu furchtbaren fehlentscheidungen zu treffen. bildung und sprachvermögen sind sicherlich hilfreich beim sich in der welt zurechtfinden und können einen schönen beitrag zur klugheit leisten sind aber in der regel eher funktionen sozialer herkunft was aber nicht heißt das man von denen die sie besitzen nicht gnadenlos danach beurteilt wird.

    ein toastbrot bist du sicher nicht, ob du intelligent bist soll ein test meßen.

  2. ich bin auf einer privatschule zur schule gegangen. wegen dem sozialen gefüge – versteht sich. an jeder ecke hörte man dort die arroganz der besser gestellten. und als ich dann mit meinem damaligen freund ankam, mochten ihn alle. bis sie hörten, dass er die hauptschule besuchte. und er war nicht dumm. es war keine bauernschläue, die ihn „intelligent“ machte, sondern dass er nicht das wissen aus tv und medien plump nachquatschte, sondern nachdachte wenn ich ihn etwas fragte und immer versucht hat eine antwort zu finden. antworten zu suchen und darüber nachzudenken was man selbst von etwas hält spricht für mich für intelligenz. und das lernt man heutzutage nicht in der schule

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