Bildungsarroganz

Ich treffe nicht oft auf solche Leute was einerseits daran liegt, dass ich mich wenig, bis gar nicht in akademischen Kreisen aufhalte und andererseits daran, dass ich mit dieser Spezies von Arrogantus Arschlochus, nichts zu tun haben möchte. Doch manchmal passiert es doch, dass ich Sätze aufschnappe, die mich selbst nach Luft schnappen lassen und dazu führen, dass der Zornzwerg in mir mit Wut gefüttert wird. Dieses Wutfutter sind Aussagen, die sich auf den Bildungsgrad eines Menschen beziehen. Sätze wie „Ach, der hat nur den Hauptschulabschluss, das sagt doch alles.“ oder „Tja, was will man von jemandem erwarten, der nur mit Müh und Not den Realschulabschluss geschafft hat.“ pflanzen sich in mein Hirn und führen dazu, dass ich zornesrot anlaufe und die Fäuste balle.

Ein kleiner Exkurs in meine bisherige schulische Laufbahn um mal mit offenen Karten zu spielen.

Wie jeder Mensch besuchte ich die Grundschule. Dort wurde meinen Eltern angeraten, ich solle doch das Gymnasium besuchen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als meine Mutter und ich vor dem Sekretariat saßen und sie mich fragte, ob ich das denn wirklich wolle. Ich sagte ja und war davon überzeugt, dass ich Anwältin werden würde. Warum gerade Anwältin weiß ich nicht. Das Gymnasium besuchte ich dann bis zur Mitte der siebten Klasse bis mein Lateinlehrer, diese ekelhafte, widerliche Hackfresse, meine Eltern zu einem Gespräch bat und sie darauf hinwies, dass ich nicht dumm sei, aber eindeutig zu faul und das für mich ein Wechsel auf die Realschule klüger wäre. Ich wechselte, machte einen mittelmäßigen Realschulabschluss, weil es immer gut funktionierte, dieses mit wenig Aufwand kriegt man auch noch eine Vier. Weil ich keine richtigen Zukunftsperspektiven hatte entschied ich, dass es Zeit sei eine Fachoberschule zu besuchen. Ich wählte den Softie-Zweig soziale Arbeit und verbrachte dort drei, statt der eigentlichen zwei Jahre. Das Wiederholen der zwölften Klasse war geplant, da ich bis kurz vor den Abschlussprüfungen keine Arbeitsstelle in Aussicht hatte und für ein Studium konnte ich mich auch nicht entscheiden und hatte dazu auch viel zu schlechte Noten. Mit einem weiteren Mittelklassezeugnis wagte ich dann den Sprung ins Studium. „Katholische Religionspädagogik und Erwachsenenbildung“ nannte sich die ganze Show und wurde von mir gewählt weil es eine der wenigen Studiengänge war, bei dem man einfach zur Uni ging, ein paar Unterlagen ausfüllte und schon war man immatrikuliert. Ich hatte den Plan nach dem zweiten Semester auf „Soziale Arbeit“ zu wechseln. Aus dem wurde leider nichts weil so Wartesemester eine zähe Angelegenheit sind. Also zog ich das Studium zumindest bis zum Vordiplom durch, weil ich der Ansicht war, dass so ein Studienabbruch im Lebenslauf nicht gerade hübsch anzusehen ist. Den letzten Bildungsstatus den ich also erreicht habe, ist die fachgebundene Hochschulreife die es mir ermöglicht an einer Universität kath. Theologie, allgemeine Pädagogik, Lehramt Hauptschule oder Grundschule zu studieren. Ich könnte also, rein theoretisch natürlich, einer der Menschen werden, der eure Kinder bildet. Man stelle sich das mal kurz vor und versuche nicht, darüber schallend zu lachen. Schwer. Durch mein Bildungshopping habe ich es also geschafft mich hochzuarbeiten zu einem gewissen Grad an Bildungsstand, sodass mir hier nicht vorgeworfen werden kann, dass ich mich persönlich angegriffen fühle von diesen Aussagen, die mein Blut zum Kochen bringen.

Liebe Akademiker, die ihr meint die Weisheit mit dem ganz großen Bamboocha-Löffel gefressen zu haben. Ich möchte euch an folgendes erinnern, wenn ihr das nächste Mal meint über Menschen zu urteilen, die nicht denselben Bildungsstand haben, wie ihr. Wir nennen diesen Menschen, über den ihr meint herziehen zu können, weil es scheinbar euer gutes Recht ist, um es einfach zu machen „Harry“. Und weil wir ja politisch korrekt sind, gibt es noch
die weibliche Variante und die nennen wir „Hermine“.

Harry steht um 5 Uhr Morgens auf um euch eure Rostlauben, die ihr unter eurem Arsch habt um zu Tagungen jeglicher Art zu fahren, fahrtüchtig zu machen. Harry fährt um 2 Uhr Morgens mit einem Schneeräumfahrzeug durch die eigenartigsten Dörfer, damit ihr von euren ruhigen Wohnorten, die ihr euch so verdient habt, in den nächsten Ökomarkt fahren könnt. Harry holt euren Müll ab, bringt euch euer Handelsblatt, teert eure Straßen, fertigt das Papier, auf dem ihr eure Notizen für das nächste Meeting schmiert. Harry stellt sich an den Schalter in der Bank und erklärt euch, warum die Automaten momentan außer Betrieb sind. Hermine ist derweil auch nicht untätig und kümmert sich im Schichtdienst um eure kranke Mutter, die ihr aus beruflichen Gründen leider in ein Pflegeheim geben musstet. Sie wischt die Pissespuren weg, die ihr auf den Pissoirs jeder Bar hinterlasst, nachdem ihr den guten Vertragsabschluss gefeiert habt. Hermine kümmert sich um eure Kinder wenn ihr sie in den Kindergarten schickt. Hermine steht auch in der Fabrik und näht eurer Reizwäsche, die ihr eurem Ehegatten vorführt, zusammen. Harry sorgt dafür, dass die Straßen sauber sind. Harry backt euch um 2 Uhr Morgens eure Vollkornsemmelchen, die euch Hermine dann mit einem Lächeln im Gesicht verkauft. An der Supermarktkasse, im Blumengeschäft, an der Tankstelle, im Schwimmbad, im Kino,… überall trefft ihr sie. Diese Hermines und Harrys dieser Welt. Weil sie dafür sorgen, dass ihr genug Klopapier auf öffentlichen Toiletten habt, um euch nicht mit eurem hart erarbeiteten Geld den Arsch abwischen zu müssen.

Ja klar. Euch muss es auch geben. Ein Krankenhaus ohne Ärzte, die vorgeben was zu tun ist, ist nicht vorstellbar. Jedoch gäbe es diesen Harry nicht, der teilweise ausgelacht wurde und als Krankenbruder beschimpft wird, weil er so einen Frauenjob macht, dann sähe es ziemlich unschön aus.

Also. Bevor ihr wieder einmal meint auf einen Menschen herabsehen zu müssen, weil er nicht die Intelligenz oder den Eifer dazu hatte, sich durch das Gymnasium zu quälen, dann überlegt kurz, was dieser Mensch alles für euch tun könnte oder es vielleicht sogar gerade in dem Moment tut.

Danke!

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8 Gedanken zu “Bildungsarroganz

  1. Aber Frau Bodenschatz, da bin ich jetzt erschrocken. Was tut Ihnen denn da so weh, dass Sie dieses schlechte Spiel auch noch mitspielen?

      • Ich denk halt, dass es diesen Graben nicht gibt, er entsteht erst durch derartige Vorurteile und immer auf beiden Seiten. Was soll denn das sein, ein Akademiker? Da denk ich doch nicht mal drüber nach wenn ich mit jemandem zu tun hab. Bedauernswerte, arrogante Arschlöcher gibts überall, in jeder dieser künstlich definierten „Gruppen“, ob das nun Frauen, Männer, Österreicher, Vegetarier, Blogger, Teetrinker oder Raucher sind. Der Mensch neigt zur Typisierung, weil er sichs damit einfach machen kann, mehr steckt doch da nicht dahinter. Sehr interessant find ich dagegen Stereotypen auf der Ebene von Persönlichkeit.

  2. gefällt. und danke.. als harry hat man es -besonders in einer akademiker-familie- nicht immer leicht.. und wenn dazu noch nen harry in nem „frauenberuf“ arbeit ist sowieso alles verloren. aber mit der zeit lernt man drüber zu stehen. irgendwie.

  3. wer den bäcker nicht ehrt, ist das brötchen nicht wert. oder so ähnlich. es gibt überall pauschaldenkende schwarze schafe. also ich hab größten respekt vor meinem automechaniker; und das nicht nur, weil er so schnucklig is. 😀

  4. Seltsame Glosse, es ist nicht das Wissen, dass Menschen zu Arschlöchern macht…es ist eher die Macht/der Titel, die Arschkriecher und Schleimer.

    Wenn dir, wahrscheinlich aus reinem Eigennutz, so 2 bis 3 Leute ständig nach dem Mund und auch noch schön diesen Standesdünkel pflegen, dann glaubst du es wahrscheinlich bald selbst.

    Meistens sind die Arschlöcher schon vor Ihrem Abschluss Arschlöcher. Das sind meistens auch die Leute die eher mit Glück als Verstand durch Prüfungen gekommen sind.

    Das Glück ist mit den Dummen, und die halten sich dann dafür intelligent.

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