apRon

Es gibt Menschen, die besitzen wunderbare Talente. Es heißt sogar, dass jeder mit einem winzig kleinen Talent gesegnet ist und damit punkten kann. Was man mit den Punkten dann anstellt, hat mir bis jetzt noch keiner erklären können. Vielleicht gibt es im Jenseits, wenn es denn eins gibt, kleine Give-Aways mit Himmelslogo drauf. Nette perasilweiße Polohemden, Fußbälle, Feuerzeuge und für die Oberpunktesammler vor dem Herrn (haha, vor dem Herrn, im Jenseits, ihr versteht… ) gibt es dann einen Hubschrauber mit eingebautem Swimmingpool, einer Minibar und halbnackten Barkeepern.

Mich beeindrucken solche Leute. Wenn ich mir oft auf gewissen Internetseiten Fotos ansehe, weil ich fast zwanghaft auf der Suche nach schönen Bildern bin, die ich dann brav geordnet auf meiner Festplatte speichere, dann komme ich aus der Staunerei und Kopiererei nicht mehr heraus. Weil es viele Menschen schaffen, mich mit einer kleinen Momentaufnahme des Lebens so zu beeindrucken, sodass ich sie kurzzeitig beneide um dieses Talent zum richtigen Zeitpunkt auf den kleinen Knopf, Namens Auslöser, zu drücken. Weil sie die Muse haben sich so sehr an etwas zu interessieren, sodass sie schon fast das leben, was sie dann der breiten Bevölkerung vorstellen. So geht es mir nicht nur mit Fotografie. Ein weiterer Bestandteil meines Lebens ist dem Lauschen von Musik. Ich habe vielleicht nicht den breitgefächertsten Musikgeschmack und ich bin nicht der Mensch der zig Bands kennt, die sonst keiner kennt. Ich habe keine Geheimtipps parat und zähle nicht zu den Leuten, die sofort, wie aus der Pistole geschossen, sagen können, auf welchem Album, an welcher Stelle genau dieser eine Song auftaucht. Shazam ist mein bester Freund geworden um mir selbst ins Gedächtnis zu rufen, welche Band das denn noch mal war, die diesen geilen Titel gemacht hat. Als Musikjournalist wäre ich also der totale Versager, auch wenn ich zwei kurze Ausflüge in diesen Bereich gekonnt hinter mich gebracht habe. Ich bin sehr auf Input von Außen angewiesen was das Verlieben in neue Bands angeht. Oder den Zufall, der mir bestimmte Bands als Vorband präsentiert. Oh es gibt so viele miese Vorbands.

Irgendwann in dem Leben von Musikliebhabern, und sind sie auch nur so kleine Kacknasen wie ich, gibt es den Moment, an dem sie DIE Band finden. Ja genau DIE. Die eine Band, deren Platten sie rückwärts, auf dem Kopf stehend, mit einer Eistüte mit fünf Kugeln Eis und Sahne und Schokosoße und Krokant oben drauf und Wadenkrampf noch mitsingen können. Vielleicht weil man mit der Band die wunderschönsten Momente seines Lebens verbindet, die einem keiner mehr nehmen kann, weil sie sich eingebrannt haben in Herz, Hirn und Seele. Oder weil sie für das stehen, was man selbst repräsentiert. Weil sie einem mit jedem Song aus der Seele sprechen und einem das geben was man so oft vermisst in diesem Leben, das man verpflichtet ist zu führen. Pause. Man setzt sich die Kopfhörer auf, sitzt im Bus und schafft es für einen kurzen Moment die Trostlosigkeit, dieses sich fehl am Platz fühlen, zu verdrängen. Und es funktioniert. Man hört den ersten Ton eines Songs und befindet sich dort wo es schön ist. Es muss nicht dieses Gefühl von Blumenwiesenspringend-Wind-in-meinem-Haar sein. Es kann ruhig ein Gefühl von Zorn in einem hoch kommen, weil man diesen zu oft verdrängt hat.

Und genau eine solche Band habe ich gefunden. Ich habe die eine Band gefunden, deren Lieder ich immer und immer und gottverdammt immer wieder hören kann, will und muss. Ich brauche diese Portion weg-von-allem-und-zwar-sofort was mir jeder kleine Ton der Songs schenkt. Jetzt werdet ihr euch fragen welche diese ist und so manche, die mein Brabbeldiblubb länger verfolgen, werden wissen welche Band ich meine. Es ist die wunderschöne und großtastische Band apRon. Fünf Kerle aus München, auf die ich durch Zufall gestoßen bin. Ich war plötzlich Single und da ich eine sehr zeitfressende Beziehung geführt hatte, war mir ziemlich oft elendig langweilig. Eines Tages fragt mich eine Bekannte ob ich denn nicht mitkommen wolle auf ein Konzert. Meine einzigen Konzerterfahrungen waren zu der Zeit der Besuch eines David Hasselhoffs-Konzerts und das der Backstreet Boys (nein, ich wurde nicht ohnmächtig, ja ich hab auch rumgekreischt wie eine Irre weil das verdammt noch mal ansteckend ist und ich hab kaum was gesehen weil wir ganz hinten standen dafür hätte ich vor der Halle beinah eine aufs Maul gekriegt weil ich einen Kerl mit einer Bierdose besudelt habe). Ich also rein in mein schönstes Pseudoemo-Outfit mit Metal-Mittelscheitel und ab dafür. Ich kannte die Musik dieser Band schon von der EP die bei dieser Bekannten gerne mal ewig auf und ab lief wenn sie mich abholte und ich Morgens nichts zu ihr sagen durfte, weil sie mich sonst gefressen hätte. So stand ich also in einem kleinen, verrauchten Passauer Schuppen Namens Tabakfabrik in der ersten Reihe, es war links, direkt an einer mannshohen Box, klammerte mich an meinem Bier fest und harrte der Dinge die da auf mich zukommen werden. Und keine Sorge, jetzt kommt kein übertriebener Schmus darüber, wie mich die Musik ergriff und nicht mehr los lies. Es war ein geiles Konzert, keine Frage. Der Schweiß tropfte von der Decke und ich erschrak, als die Menge hinter mir, das erste Mal auf die Frage des Gitaristen „What’s our art?“, mit einem ohrenbetäubenden „VIOLENCE“ reagierten. Ich wurde jedoch in dem Moment zum Fan. Sie beeindruckten mich mit ihrer Schminke im Gesicht, dem Auftreten, dem Niedertrampeln der Bühne und der Mischung aus gefühlvoll und brachial. Das war im Herbst/Winter 2007 (kann auch total falsch liegen aber das Jahr stimmt zumindest). Auf wie vielen Konzerten ich seitdem war, weiß ich nicht. Es waren Tonnen. Ich habe fremde Länder bereist um ihnen dabei zuzusehen, wie sie vor unterschiedlichstem Publikum und in den eigenartigsten Schuppen gespielt haben (OK, Tschechien und Österreich, aber Ausland). Ich war auf ihrem gottverfickt längsten Konzert auf dem sie ihr Set 100mal spielten. Mein offensichtlichstes Tattoo, das am Handgelenk, ist eine Textzeile aus „Broken Child“. Man kann also sagen, dass ich diese eine Band gefunden habe mit der ich mich identifiziere. Die mir das gibt was einem Musik geben sollte. Das Wissen mehr zu sein als ein Fleischklumpen der atmet, spricht und brav seinen Zielen hinterher rennt. Und während ich das hier schreibe werde ich das Gefühl nicht los, dass egal wie sehr ich versuche euch klar zu machen wie phantastisch diese Musiker sind, es nicht im entferntesten das widerspiegelt, was in mir vorgeht. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr versucht Dinge zu beschreiben, die euch am Herzen liegen, dass euch dann jedes Wort vorkommt, wie der billige Abklatsch eines Kitschfilms, weil ihr zu wenig Worte parat habt, um das Offensichtliche klar und deutlich auszudrücken? Vielleicht nicht weil ihr ja alle so supitalentierte Schreiberkinder seid. Doch genau so geht es mir. Jeder Superlativenvergleich den ich jetzt aufführen würde, würde nicht mal annähernd das beschreiben wie sehr mir die Musik dieser Band am Herzen liegt und wie sehr sie ein Teil meines drögen Alltags geworden ist. Und so muss ein Satz allein reichen, den wahrscheinlich nur ich verstehe, und diese komische brainmassacre.

Violence is my fucking art!

[Lauscht und vielleicht verliebt ihr euch auch. http://www.myspace.com/apron ]

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3 Gedanken zu “apRon

  1. I put the Liebe in Lieblingsmusik irgendwie.

    Es ist halt dieses gewisse etwas, was einen kickt bei seiner Lieblingsband/musiker.

    Und gerade deswegen sind deren Gigs halt immer noch cooler, weil da all die leute sind, die meist auch nicht in worte fassen können, warum die Typen da vorne einen begeistern, aber man sieht es. Man sieht es wenn jemand mit dieser unendliche Begeisterung von etwas spricht oder schreibt.

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