Schubladendenken

Irgendwann letzten Jahres wurde ich in einen Teilbereich des männlichen Denkens eingewiesen. Es ging darum, wie Männer Frauen kategorisieren. D.h. auf gut Deutsch, es gibt ein System. Eine Art unsichtbare Tabelle in die jede Frau, je nach persönlichen Vorlieben natürlich, eingeordnet werden kann. Grob umrissen gibt es die, die man ficken will und die, die man nie ficken würde. Natürlich gibt’s da noch Abstufungen und irgendwann fiel auch das Wort Liebe, aber ich will hier ja auch nicht zu sehr ins Detail gehen und dieses ausgeklügelte System vielleicht noch verfälschen.

Und während mir so die Haarfarbe stimulierend ins Gehirn sickert, sodass dieses juckt (ja mein Hirn juckt!) mache ich mir Gedanken, wie wir Frauen Männer einteilen. In welche Kategorien wir sie zwängen und ihnen kleine niedliche Stempel aufdrücken.

Wir beginnen mit der Krönung der Männlichkeit. Dem allgemeinen Non-Plus-Ultra. Dem Grund warum Frauen diesen komischen glasigen Blick aufsetzen, den Kopf in Schräglage bringen und von wilden Bumsabenteuern an Südseestränden träumen. Wenn so ein Kerl einen Raum betritt und man ganz genau hinhört, dann kann man fast hören, wie die Unterhosen der anwesenden Damen vollgetropft werden. Sie sind die Handschmeichler der Evolution. Der Grund dafür, warum man doch noch an das Gute im Menschen glaubt. Diese Kerle würde man natürlich als 0815-Frau, wie man sie nun mal ist, nie ansprechen. Ziemlich klein und hässlich käme man sich neben so einem Mann vor und wer will schon gern der Gartengnom der Beziehung sein. „Hallo ich bin Mister Perfekt und das ist meine hässlichere Hälfte.“ Undenkbar. Und das Schlimme an dieser Sorte von Mann ist, dass sie meist auch noch so gottverdammt nett sind. Meistens tun sie nichts Besonderes um diesen Eindruck zu erwecken. Oft reden sie einfach nur mit einem. Doch das reicht, um einem das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein. Vielleicht steht man an der Kasse im Supermarkt, hat Zeitdruck, ist genervt weil die Oma vor einem mal wieder Kleingeld-Memory veranstaltet und ihre gesamte Rente in Fünfcentstücken auf dem gesamten Laufband für Lebensmittel verteilt. Und dann, wie aus dem Nichts erscheint er. Der fleischgewordene Unterwäschemodeltraum. Und er lächelt. Weil solche Kerle scheinbar immer lächeln. Tim Taler ist ein Waisenkind gegen dieses strahlende Lächeln, dass einem die Knie weich und das Herz buttrig werden lässt. Er hat nur zwei Artikel und bittet einen vorgelassen zu werden. Und zack, schon ist der Kerl nett. Punkt. Er hilft einem nicht dabei die Familienpackung Eiscreme in den Kleinwagen zu wuchten und er hält einem auch nicht das Händchen, wenn man sich mal wieder einen Nagel abgebrochen hat. Er ist einfach nur da, lächelt und man empfindet diese Wärme, die von ihm ausgeht, als das Beste was einem seit Langem passiert ist. Das ist also dieser Lamborghini unter den Männern.

Jetzt kommen wir zu dem Kleinwagen der Männlichkeit. So diese zuverlässige Version. Die, die man seiner Mutter vorstellen könnte, wenn man sich nur dazu durchringen könnte, ihn auch nur annähernd sexuell attraktiv zu finden. Wo man diese Kerle kennenlernt weiß man oft gar nicht mehr. Sie sind einfach irgendwann da. Und meistens können sie irgendwas. Sei es Reifen wechseln, Rechner reparieren oder Schränke zusammenbauen. Sie sind so die kleinen Helferlein die Frau gerne mal aus ihrem Telefonbuch zaubert. „Ach der Frank, der kann das. Moment ich ruf den mal kurz an.“ Man trifft sich mit diesem Frank ab und zu auf einen Kaffee, lädt ihn natürlich ein, weil er einem so gut beim Ikeamarathon geholfen hat. Man versteht sich richtig gut mit diesem Menschen aber irgendwas hat er an sich, was dazu führt, dass man sich lieber glühend heiße Nägel in die Augen rammen würde, als sich auch nur einmal von ihm anfassen zu lassen. Natürlich ist es von Vorteil wenn diese Variante von Mann ein bisschen verknallt in einen ist. Frauen sind intrigante und fiese Wesen. Denn so kann man ihn besser bei der Stange halte ohne ihm seine… na ihr wisst schon. Da zieht man schon auch mal den guten Pushup-BH zu Treffen an und gewährt im einen kleinen Ausblick ins vermeintliche Paradies nur um endlich die wundervollen Baby-Bilder von der Gräta-Agneta-Poppeldie-Wieauchimmer an der Wand hängen zu haben. Es sind diese Typen, die beim Reden immer ein bisschen spucken weil sie nervös sind. Die, die vielleicht kleine Ticks haben, wie sich immer zu räuspern oder das Kassengestell der Brille zurechtzurücken. Die VW Polos der Evolution.

Dann gibt es natürlich noch die Winterautos. Das sind Kerle, die man auch keinesfalls anfassen würde, aber es dann aus Gründen, die meist mit zu viel Alkoholkonsum einhergehen, doch macht. Man lässt sich von diesen Kerlen ordentlich durchvögeln, wenn er es denn wenigsten ein bisschen kann, und hofft danach nicht gleich einzuschlafen um sich klammheimlich zu verpissen sobald er anfängt einem die Arie der Holzfäller vorzujaulen. Man würde sich lieber alle Gliedmaßen gleichzeitig mit einer rostigen Säge abschnippeln, bevor man neben dieser Person aufwachen müsste. Es sind diese Kerle, die immer ein bisschen schmuddelig sind. Die, die einen mit Sprüchen wie „Naaaaaaaa, öfter hier?“ anquatschen. Aber es sind auch meistens die, die einen gut und günstig abfüllen, also warum nicht. Und ein bisschen Unterschichtensex hat einem auch noch nie geschadet. Es sind diese Assilettenträger und Jogginghosenverehrer, die stolz auf sich sind, wenn sie ein T-Shirt tragen auf dem nicht steht „Bier formte diesen schönen Körper“. Ihr Ausgehoutfit besteht meist aus den gammligen Sneakers, die ihnen ihre Mutti irgendwann einmal kaufte, weil der Junge doch Schuhe braucht, einer Jeans, die von alleine steht weil sie voller eigenartiger Substanzen ist, deren Herkunft man nicht kennen möchte. Ihr Hosenstall ist immer offen als wären sie Pfadfinder deren Motto lautet „Allzeit bereit“. Und natürlich darf das Shirt mit dem Stern auf dem Rücken und dem Frontaufdruck „Was ist geil und hat einen Stern auf dem Rücken?“ nicht fehlen. Diese Kerle können meistens nichts. Sie werkeln im Schichtdienst an irgendeiner großen Maschine einer noch viel größeren Fabrik und furzen wo sie gehen und stehen weil sie nun mal echte Kerle sind.

Aber wir haben sie noch nicht erreicht. Die unterste Grenze des guten Geschmacks. Nun begeben wir uns in die Untiefen der menschlichen Existenz. In die Gosse der Menschheit. Evolutionsbremsen. Es handelt sich hierbei um die Schrottplatzkarren. Ihr kennt doch sicher diese Schrottplätze auf denen man für kleines Geld auf ausgemusterten Autos herumdreschen darf, bis einem der Schweiß aus allen Poren quillt. Genau das möchte man mit diesen Kerlen machen. Ihnen die Scheiße aus dem Leib prügeln. Aber nicht weil sie etwas Bestimmtes machen, sondern nur weil sie existieren. Es sind diese ungewaschenen, besoffenen, stinkenden Kerle die jede Stadt zieren. Die Kerle, bei denen man sich fragt, was sich Mutter Natur nur wieder dabei gedacht hat. Sie sind ein schlechter Scherz über den kein Mensch lachen kann. Regelmäßig schieben sie ihre meist sehr ausgeprägte Scheinschwangerschaft ins Arbeitsamt, um sich dort mal wieder brav beim Fallbearbeiter zu melden. Sobald diese Kerle was anfassen, hat das einen Fettfleck. Oft fragt man sich, warum solche Menschen nicht von der Herde verstoßen werden. Sie treten oft in Gruppen auf. Zahnlos und gelbfingrig sitzen sie draußen herum, belagern Parks und philosophieren über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Und unglaublicherweise finden sie jedoch immer wieder weibliche Gegenstücke mit denen sie kleine dickgesichtige Arschlochkinder Namens Justin, Denis oder Jaqueline zeugen (ey, ihr Justins, Denisses und Jaquelines dieser Welt, ihr könnt nix dafür) die die Familienehre hochhalten indem sie mit dreckverschmiertem Gesicht (diese Kinder sind gottverfickt noch mal immer dreckig) mit Pulli in der Jogginghose (ganz der Vater) durch die Welt stapfen und andren Kindern die Lollys klauen, während sie sich mit der freien Hand den Rotz in den Ärmel schmieren.

Eine weitere Version ist die Badboy-Gangster-Variante. Die, bei der Frau den Wunsch hegt, einen ehrenwerten Bürger aus ihm zu machen. Er ist ein Player. So die Variante Sido-Bushido-Mutti-ist-stolz-auf-dich-weil-du-hast-Kacka-gemacht-Type. Er ist der aufgemotzte Golf mit Sportlenkrad, Chromauspuff und Tieferlegung. Ihm wird oft vorgeworfen er sei sexistisch. Doch scheinbar zieht das, weil er immer mit der aktuellen Bitch im Arm an der Tanke steht und einen Basstest seiner Anlage nach der anderen durchführt. Er prügelt sich gerne und gibt sich am Wochenende ordentlich die Kante. Er packt sich unverhältnismäßig oft an den Sack. Meine Theorie: „Kastrationsangst“. Denn das ist eins seiner wertvollsten Güter. Sein Schwanz. Er zeigt ihn zwar nicht überall rum, aber er steckt ihn überall rein, wo er reinpasst. Sprachlich rutscht er eher auf der unteren Verbalfront herum. Einstieg eines jeden Satzes das obligatorische „Alta“. Oder „Ey“, um volle Aufmerksamkeit zu erregen. Und doch stehen die Ladys auf ihn, auch wenn er sie mit ihrer besten Freundin betrügt. Ihm wird nachgetrauert, weil wenn sie allein waren, dann war er ganz anders. Da konnte er ganz zärtlich sein und gefühlvoll. Weil er weiß wie man es machen muss. Er reißt Mutter-Witze aber sobald man seine Mutter disst, weint er innerlich. Er lässt sich geile Tribals auf den Oberarm und chinesische Zeichen auf den Unterarm tätowieren und geht regelmäßig in die Muckibude. Er braucht ewig im Bad um seine 2mm-Haare in die richtige Richtung zu gelen. Er riecht immer gut weil er sich in Bruno-Banani-Lacoste-Wässerchen badet. Label sind ihm sehr wichtig. Sei es bei den Felgen oder bei den Fake-Ed-Hardy-Shirts vom Tschechenmarkt. Und genau so ist er. Eine billige Kopie eines miesen Originals.

Und zum Schluss natürlich der Kerl, in den wir uns verlieben, wir Frauen. Mit dem wir Häuser bauen, Wälder pflanzen und viele kleine Kinder zeugen wollen. Der Sharan unter den Männern. Der, der einem Sicherheit gibt und uns umsorgt. Meistens ist es der, der zufällig da war, als man das Alter erreichte, wo man meinte nun in den heiligen Stand der Ehe eintreten zu müssen. Es sind diese Männer, die meist eine klitzekleine Besonderheit haben, die unser Herz höher schlagen lässt und uns glücklich macht. Weil sie es können. Sie sind die Rosenkavaliere und die, mit denen wir gemeinsam vorm Versicherungsvertreter sitzen wollen, um seine Lebensversicherung abzuschließen. Dank dieser Männer stirbt die Menschheit nicht aus. Sie sind die Männer, die sich in ihrem Verein stark machen und die Hecken schneiden. Ein Hoch auf den Sharan.

Natürlich habe ich noch viele kleine Nuancen vergessen. Diese kleinen Untergrüppchen wie z.B. „das ewige Kind“, „der Latino-Lover-Schmier-Ekeltyp“ oder „der Poet“. Aber im Großen und Ganzen kann man die Männer in genau diese Kategorien pressen. Und so werdet ihr ausgewählt, liebe Männer. Also sucht es euch aus, wer ihr sein wollt.

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6 Gedanken zu “Schubladendenken

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