Bettgeschichten

Im Sommer werden es drei Jahre. Im September. Und vor drei Jahren sah dieser Teil meines Bettes anders aus. Er war immer frei geräumt. Für eine weitere Person. Weil die scheinbar da hingehörte und das Bett sich so leer anfühlte, lag nichts neben mir, was mir ins Ohr atmete. Und als dieser Grund wegfiel, fing ich an, in meinem Bett zu leben. All die Dinge um mich zu horten, die ich vermeintlich sofort zur Hand haben müsste, sonst ginge sicher die Welt unter. Eine Sammlung an Zetteln, Tassen, Stiften, Feuerzeugen, Cremes und sogar Sonnenbrillen, verirrte sich in mein Bett und gaukelte mir vor dass ich nicht allein sei. In Anfällen von Ordnungswahn fiel dieser kleine Schutzwall, den ich um mich aufbaute, meinem Ordnungssinn zum Opfer. Die Brösel, die sich unter den vielen Schichten an purem Zeug ansammelten ordentlich weggesaugt. Und dann legte ich mich in dieses leere Bett. Sofort fing ich an, Dinge zu suchen, die ich sonst in greifbarer Nähe hatte. Weil sie bis vor kurzem direkt neben mir lagen. Und es fühlte sich nicht richtig an, wie ich da lag in diesem großen Bett. Der kleine Körper ganz nah an die Wand gedrückt, weil er zwei Jahre so liegen musste um niemanden zu erdrücken.

Ich hatte einmal gelesen, dass man, um Platz zu schaffen für einen möglichen neuen Partner, man räumlich Platz schaffen sollte. Man sollte ein Fach im Schrank frei räumen. Vielleicht um dem Universum mitzuteilen, dass man wieder so weit wäre, sich an einen Menschen zu binden. Dass man wieder bereit ist, sich Gefühlen hinzugeben, die man bis vor kurzem verabscheute, weil sie einen schwach machten. Diese Gefühle. Weil sie einem zu einen Menschen machten, der man eigentlich nie sein wollte. Sie machten aus einem ein nasekräuselndes, grenzdebiles, sabbriges Individuum das meint nicht mehr ohne dieses Gefühl der totalen Abhängigkeit leben zu können. So sieht das der verbitterte Teil in mir. Weil es ihm gut tut diese Bestätigung, dass man sich allein genügen kann und das sollte, weil man stark genug ist.

Und wenn ich mein Bett so betrachte, mit Abstand, dann ist mir klar, dass ich nicht so weit bin, diesen Teil frei zu machen für ein anderes Wesen. Weil es mir reicht die Wärme des Laptops der surrend neben mir liegt. Weil ich es nicht mehr brauche dieses tiefe Atmen ganz nah an meinem Hals, diese Rangeleien um die Decke. Und es macht mich zufrieden. Das ich erkannt habe, das es geht. Auch ohne einen warmen Fleischberg neben mir. Und vielleicht schaffe ich es auch irgendwann, mich von meinem Schutzwall zu trennen und mich breit zu machen in meinem Zweimannbett. Weil ich mir genüge. Ich ganz allein.

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2 Gedanken zu “Bettgeschichten

  1. Oho. Das geht aber sehr nah an Sie, Frau Bodenschatz. Und natürlich genügen Sie sich selbst. Das hat weniger was mit Stärke zu tun als mit gewinnender Bedeutung von Teilen der Selbstliebe für die Sie keine Bestätigung durch andere brauchen. Fühlt sich so an, als wären Sie auf einem guten Weg.

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