Mum, it’s just porn

„Mein Freund, die perverse Sau, kuckt Pornos!!! Voll erniedrigend. Reiche ich ihm denn nicht mehr?“

Kommt euch diese Aussage bekannt vor? Wahrscheinlich, denn dieser Tatbestand wird wohl mindestens einmal täglich von einer xbeliebigen Frau auf dieser Welt in trauter Weiberrunde angeprangert. Und natürlich, wie sollte es anders sein, verstehe ich nicht genau wo das Problem liegt.

Ich verstehe es, dass man bei einem DVD-Abend mit dem Herzallerliebsten nicht besonders scharf drauf ist, sich durch seine Liebling-Wichsfilmchen durchzuquälen. Ich verstehe es auch, dass man diese Form des Films nicht ansprechend findet. Ich für meinen Teil, steh nicht auf das Western-Genre. So hat jeder seine Vorlieben was bewegte Bilder anbelangt. Aber auf die Barrikaden zu gehen, weil der Liebste sich gerne mal einen von der Palme wedelt, während sich eine vollbusige Blondine von einem gut bestückten Kerl penetrieren lässt, finde ich übertrieben.

Ladys, ihr solltet die Situation von einem ganz anderen Standpunkt aus betrachten. Ich zähle euch jetzt vier Punkte auf, die ihr euch mal durch den Kopf gehen lassen solltet, bevor ihr das nächste Mal fluchend eure beste Freundin kontaktiert und über Kastrationspläne spekuliert.

1. Was ist euch lieber? Ein wild onanierender Kerl zu Hause oder einer, der sich beim Männerabend mit den Kumpels ne kleine Geschlechtskrankheit beim Klofick mit der Discoschlampe einfängt? Macht euch endlich mal bewusst, dass Männer visuelle Wesen sind. Sie brauchen diese Stimulation der Augen um sich weiter unten stimulieren zu können. Deswegen auch die Spiegel überm Bett, der Unterwäsche-Fetisch und die Flutlichtbeleuchtung während dem Akt. Mir persönlich ist ein Typ lieber, der ab und an selbst Hand anlegt als dieselbige in das Höschen einer anderen Frau steckt. Seid froh, dass ihr einen Kerl abgekriegt habt, der sich seiner sexuellen Bedürnisse bewusst ist statt verklemmt und mit Stielaugen versehen, strammen Ärschen junger Frauen nachzugeifern.

2. Lernt! Wenn ihr ihn schon dabei ertappt dann nutzt dieses neue Wissen. Der Mann eures Herzens wird sich sehr wahrscheinlich Pornos ansehen, die sexuelle Wunschvorstellungen die er hat, realisieren. Und wenn ihr schon wegen der Kleinigkeit geschockt seid, dass er sich solche Filmchen einverleibt, glaube ich kaum, dass ihr offen über euer Sexualleben sprecht. Es passiert einfach, dieses miteinander schlafen. Seht euch die Filme auch mal an und ihr erfahrt viel mehr über euren Kerl als in jeder „Ok, heute bin ich besoffen und mache mal Dinge, die ich sonst nicht machen würde“-Nacht. Vielleicht habt auch ihr Wünsche, die ihr nie gewagt habt auszusprechen. Seht die Chance und entdeckt vielleicht sogar Parallelen in eurer heimlichen Sex-Phantasie-Welt. Es muss ja nicht gleich der Gangbang im dorfeigenen Swingerclub sein. Aber wer weiß? Vielleicht wolltet ihr genau das mal ausprobieren und habt euch deswegen ewig lang geschämt.

3. Natürlich habt ihr armen Geschöpfe immer die Angst, dass er anfängt euch mit den Silikon-Babes zu vergleichen. Das ihr ihm optisch nicht mehr genügt. Aber seid doch mal ehrlich zu euch selbst. Einerseits ist es doch total logisch, dass die Pornodarsteller nicht aussehen wie Helga Müller von nebenan. Das sind Filme für Männer die geil machen sollen ihr Blitzmerker. Natürlich haben die straffere Haut, glänzendere Haare und strammere Titten. „Sex sells“ besonders in der Pornoindustrie. Und seid ihr nicht diejenigen, die ganz kribbelig werden, wenn ein halbnackter Pitt oder ein lächelnder Clooney von der Leinwand flimmert. Heimlich sabbert ihr in eure vollgeheulten Tempos und schmachtet euch wund. Tief in eurem Inneren stellt ihr euch vor wie ihr einem dieser Herren eure makellosen Nägel in den strammen Rücken rammt während ihr bebend euer Becken voller Wollust gegen seines presst. Gesteht eurem Freund solche Kopfkino-Momente zu. Auch wenn diese laut aus der Surroundsound-Anlage stöhnen.

4. Solltet ihr es wirklich nicht mit eurem Gewissen und euren Moralvorstellungen vereinbaren können euch mit dem Feind Porno einzulassen… Ladys, ihr seid doch die Wesen, denen man die Manipulation in die Wiege gelegt hat. Augenaufschlag, Hüftschwung und Schmollmund. Ihr seid die Profi-Manipulierer! Also sagt eurem Schatz doch einfach mal, dass ihr euch mit ihm so einen Film gemeinsam ansehen wollt, auch wenn es Ekelpickel erzeugt. Und wie es dann weiter geht könnt ihr euch hoffentlich denken. Philosophiert doch mal ein bisschen über das Ausmaß des männlichen Pakets in dem Streifen. Fragt ihn ob er jemals so einen riiiiießigen Penis gesehen hat. Boah und diese Ausdauer!!! Schatz! Schatz hast du das gesehen? Der hämmert da schon ne halbe Stunde mit seinem riesigen Prügel auf die Frau ein und kann immer noch. Kannst du das auch? So schnell könnt ihr gar nicht „Bukkake“ sagen, habt ihr eurem Kerl zumindest diesen einen Film für die nächsten Wochen mies gemacht.

Mädels werdet lockerer. Zieht den Stock aus dem Arsch und fangt an euch als sexuelle Wesen wahrzunehmen und gottverdammt gesteht es euren Lebensabschnittsgefährten zu, welche zu sein. Viele Männer haben nunmal den Irrglauben ab und zu Druck ablassen zu müssen damit es keine geplatzten Eier gibt. Ein Phantomschmerz quält sie und lieber befummelt er sich dabei während Aurora sich alle erdenklichen Löcher stopfen lässt, als das er sich vorstellt wie er es wild und hemmungslos mit eurer besten Freundin treibt. Und bitte wendet euch endlich von dem Irrglauben ab, dass er dabei auch an euch denken könnte. Onanieren ist Urlaub. Und fliegt ihr um die ganze Welt nur um dann auf eurer Terasse die Liegen mit Handtüchern zu reservieren? Wohl kaum.

Ach und noch was in eigener Sache, weil es ja gerade um nackt und Pornografie geht. Liebe Playboybunny-Werbeplakate. Ja ihr, die ihr euch jeden pinken Scheiß andrehen lasst, nur weil da ein putziges Hasi drauf ist. Nur für euch, so als Erinnerung. Playboy ist wohl das bekannteste Hochglanzmännermagazin. Ich war ja beim ersten Durchblättern eines Heftes enttäuscht, dass es da drin wirklich Artikel gibt, so mit lesen müssen und ohne Nippel-Content. Egal! Also in dem Häschenmagazin sind NACKTE FRAUEN! Und ihr meine Lieben macht indirekt Werbung dafür. Also bitte regt euch gottverdammt nicht mehr darüber auf wenn den Desktop eures Kerles ein Bild des Playmates des Jahres ziert, er nen nackte-Frauen-Kalender in der Werkstatt hängen hat und sich auch ab und zu mal ein Heft kauft. Wenn ihr es so entwürdigend findet wie sich Frauen dort präsentieren dann werft dem lieben Hugh nicht noch eure Kohle in den gierigen Schlund. Das ist unlogisch!!! Und stellt euch vor euer Typ würd euch den alljährlichen Cosmo-Kalender verbieten in dem jeden Monat ein strammer, eingeölter Kerl auf euch wartet. Fändet ihr doof, stimmt’s? Wer A sagt… ihr wisst Bescheid.

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22 Gedanken zu “Mum, it’s just porn

  1. Aber hallo, klasse geschrieben & dabei mehr als repräsentativ. Aus eigener Erfahrung möchte ich noch hinzufügen, das eine Vielzahl an Frauen aus meinem Freundeskreis dem wichsen bei weitem nicht abgeneigt sind, und das sind im entferntesten nicht nur Singles. Und was die Optik angeht, gilt dies wohl dem Gros beider Geschlechter – nicht wahr?! Und zu guter Letzt ist es einfach eine entspannende und auch in einer, wie auch immer gearteten Verbindung, stimulierende Angelegenheit.

  2. WORD!!

    Wo ist mein Stift?
    Ich will unterschreiben!

    (Was passierte denn, wenn Männer mitbekommen, dass ihre Freundinnen sich Pornos angucken….? SIE WÜRDEN FEIERN!)

  3. Wegen mir können Sie auch über Fernbedienungen, Schmucksteine oder Auslegeware schreiben, Frau Bodenschatz, is mir egal. Das, was in Ihrem Ton mitschwingt, die Art Ihrer Betrachtung kombiniert mit Ihrem Schreibstil, das ist was Aussergewöhnliches. Ich selbst bin selten hingerissen aber hier höre ich mich sagen: Was für eine geile Sau!

    (Lediglich dieser sogenannten negativen Selbstsicherheit bräuchten Sie für meinen Geschmack nicht so viel Ausdruck verleihen, das wirkt angesichts Ihrer Texte zu aufgesetzt. Sie wissen sehr genau, wie gut Sie sind…)

    • Ach? Weiß ich das? Für ne Woche finde ich einen produzierten Text auch echt super, sonst würd ich den nicht veröffentlichen. Und dann kommt das hauseigene schlimmverbessern im Kopf und man findet’s plötzlich total dumm was man geschrieben hat.
      Ich freu mich trotzdem wenn mir jemand sagt das er gut findet, was ich da schreibe. 🙂 Danke!

      • Gut ist nicht das Wort. Mir offenbart sich Ihr Genius darüber, wie Sie schreiben, wie Sie denken. Das ist alles andere als konventionell und fasziniert mich. Endlich mal wieder fasziniert mich jemand. Danke dafür!

  4. ich mag deinen zynismus. aber warum wundert es mich nicht, dass hier nur befürworter deines textes kommentieren? ist es nicht genauso intolerant, ihm den porno schlecht zu machen? irgendwie beißt sich da doch die katze in den schwanz. und tipp 2 ist doch echt für den arsch (im wahrsten sinne). wenn die frau nur für die praktische umsetzung seiner pornos da sein soll (was du mit deinem „lerne!“ suggerierst), dann schönen dank auch. sexuelle befreiung der frau ist ja wohl was anderes. um sich anregungen zu holen, gibts genügend andere möglichkeiten. da muss ich mir nicht SEINE pornos reinziehen.
    außerdem habe ich keinen bock, ihm pornos madig zu machen. umgekehrt würde ich es genauso wenig wollen, wenn er mir dinge madig macht, die ich toll finde. tipp 4 also steht auch für nichts anderes als „ich steh da nicht drüber“, wenn man das ziel vor augen hat, dass er den porno dann nicht mehr sehen will.
    wie gesagt, dein zynismus ist eins a. 😉

    • Danke schon mal für den Kommentar.
      Natürlich ist meine Aneinanderreihung von Tipps nicht das Gelbe vom Ei und Gott bewahre und man nehme diesen Text zu wörtlich. Ich will damit schlussendlich nur sagen, dass man, wenn man meint etwas verteufeln zu müssen, sich vielleicht erstmal damit auseinander sollte. Ich für meinen Teil habe z.B. erst angefangen über Harry Potter herzuziehen, als ich brav einen Band gelesen habe.
      Was man in seiner Beziehung macht und was nicht, bleibt immer noch den Liebenden überlassen. Denn die müssen aufeinander hocken und es miteinander treiben. Ich will Gedankenanstöße geben und zum Schmunzeln anregen. Deswegen auch der Tipp mit dem mies machen. 🙂
      Das alles wird geschrieben nach dem Swingerclub-Prinzip „Alles kann und nichts muss“.

      • ich habe mich auch köstlich beim lesen unterhalten. 😉 VORALLEM bei tipp4. 😀 hätt mer’s ja.

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