Ein Königreich vs. Hochdeutsch

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“

Eine Lebensweisheit die ich gerne für die Menschengruppe „Bayer“ umformuliere.

„Was der Bayer nicht kennt, frisst er nicht, verurteilt er und wenn keiner hinsieht, dann spuckt er auch noch drauf.“

Bevor ich es mir mit allen wilden Bajuwaren, die sich unter meiner Leserschaft befinden verscherze, möchte ich das natürlich lokal eingrenzen. Erstens, weil ich nur über das urteilen kann, was ich jeden Tag live und in Farbe um mich herum erlebe und zweitens, weil der Niederbayer, der der aus dem Wald kommt, sich sowieso für den einzig wahren Bayern hält.

Und hier fängt es schon an.

Wir befinden uns in Niederbayern. Im Bayerischen Wald genau genommen. Diese Bayern werden auch liebevollst ‚Waidler’ genannt. Übersetzt die ‚Waldler’, ‚die die im Wald leben’ oder einfach ‚Affenmenschen’.

Grundsätzlich besitzt der bayerische Affenmensch eine gewisse Art von Arroganz. Aussagen wie „Weißwurstäquator“, „Das heißt nicht Tschüß, das heißt Pfiade! (für meine Leserschaft die kein bayerisch versteht natürlich übersetzt. Original würde dieses so lauten „Des hoast ned Tschüß, des hoast Pfiade!“), „München gehört nicht mehr zu Bayern!“ und meine absoluter Favorit „Bayern soll wieder ein Königreich werden!“ All diese Aussagen erwecken den Eindruck, dass der Bajuwarenaffe gerne für sich sein möchte. Er möchte sich ein kleines Königreich aufbauen mit Verbalakrobat Stoiber als Hofnarr und Papst Benedikt als herrschende Königin. Ich möchte sogar behaupten, dass der tief verwurzelte Bayernaffe gar nicht wissen will, was da draußen noch so passiert. Er ist zufrieden mit seinen Lokalnachrichten, kennt seine Nachbarn in- und auswendig, weil man sich ja auf den jeweiligen Festivitäten trifft und übereinander herzieht und zum Italiener gehen, auch wenn man dort ein Schnitzel isst, muss doch reichen um sagen zu können man habe internationale Luft geschnuppert. Und wir wählen die Schwarzen, weil wir die schon immer gewählt haben und wir gehen Sonntags in die Kirche weil wir das auch schon immer so gemacht haben. Schön hat es so ein Äffchen. Muss sich um nichts sorgen, denn seine Art zu leben, wurde ihm schon von Kindesbeinen an eingetrichtert.

Jetzt ist es ja so, dass der Waidler nicht nur auf sein Bier stolz ist, sondern auch auf den Verbaldurchfall den er Dialekt nennt. Richtiger Satzbau ist hier fehl am Platz. Es wird sogar behauptet, dass die kurzen Grunzlaute, die so ein Bayer von sich gibt, die Grundlage waren für den SMS-Schreibstil, der sich in den letzten Jahren bei Teenagern eingebürgert hat. Das Bayernäffchen ist auch ein richtiger Macher, wenn man ihm einmal genau zuhört. Er geht nicht irgendwo hin. Das wäre zu einfach. Er tut wo hingehen. Er tut schneeschippen, er tut bügeln und vögeln tut er auch tun. Der Bayer hat echt was auf dem Kasten.

Was das Bayeräffchen gar nicht mag, sind Menschen die Hochdeutsch sprechen. Was er noch weniger mag sind Bayeräffchen, die Hochdeutsch sprechen. Ich glaube das macht ihnen Pickel am Arsch, sonst würden sie ja nicht so allergisch darauf reagieren. Wenn man sich mit einem Waldbewohner im Dialog befindet und seine Aussagen in verständlichem Deutsch formuliert, kann es schon einmal vorkommen, dass man darauf hingewiesen wird, dass man auch normal sprechen könnte. Meine Theorie, warum die Waidler solch eine Abneigung gegen eine verständliche Sprache haben ist folgende.

Der Bayer trifft in seinem Leben nur selten auf Menschen die eine andere „Sprache“ sprechen als er. Die einzigen Menschen die er mit der Sprache „Hochdeutsch“ in Verbindung bringt sind meist Autoritätspersonen. Politiker, Lehrer und Beamte weil deren Beamtendeutsch wird gern in die selbe Schublade gesteckt, wie das liebe Hochdeutsch. Und mögen wir Autoritätspersonen? Nein. Sobald der Bayer also jemanden hochdeutsch sprechen hört, hat er das Gefühl zurecht gewiesen zu werden. Er erinnert sich an die Qualen in der Schulzeit und die vielen, vielen Formulare die er ausfüllen musste, um endlich sein Hartz4 bewilligt  zu bekommen. So etwas prägt. Habt also Verständnis. Ihr seelenlosen Tiere.

„Schreibt euch nicht ab und lernt bayerisch!“

Die schönste Begebenheit, die ich bezüglich „Der Bayer und das hohe Deutsch“ hatte war im Studium. Eine Studienkollegin hatte die Wahl Mathematik oder Deutsch als Studienfach zu wählen. Sie wählte Mathematik. Nicht weil sie Pythagoras und seine Freunde so super fand, sondern „Weil ich nicht hochdeutsch sprechen kann.“. Schön wenn sie es wenigstens einsieht. Ich fragte mich ab dem Zeitpunkt immer, wie sie es nur schaffte die Pflichtlektüre zu lesen. Vielleicht kannte sie jemanden, der ihr diese Bücher übersetzte. Wer weiß. Ich traute mich nie zu fragen. Die selbe Studienkollegin war auch steif und fest davon überzeugt, dass sie es nicht nötig hätte, sich mit Menschen, die nicht aus Bayern kommen, in verständlicher Sprache zu unterhalten. Wer sie nicht verstand, der hatte Pech. So ihre Theorie die sie auch in der Praxis verwendete. Gott sei Dank hatte sie große Brüste, sodass sie nicht total einsam durch die Studienzeit wandeln musste. Da sieht man gerne mal über eine Sprachbehinderung wie die ihrige hinweg.

Liebe Leser! Ich geh jetzt ein Weißbier trinken, ist ja Grundnahrungsmittel also so was wie ein gutes Frühstück und dann die Kühe melken. Und das nächste Mal erkläre ich euch, warum der Bayer so katholisch ist.

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7 Gedanken zu “Ein Königreich vs. Hochdeutsch

    • Da ich in diesem besagten Affenländle lebe, nehme ich mir das Recht heraus, unqualifiziert meine Ansichten ins Internet zu spucken.
      Und meine kurze Erwähnung von Hartz sollte mehr die Beamtendeutschsache verdeutlichen. Und wenn ich mir gerade meine „Stadt“ ansehe in der ich lebe… die vom Arbeitsamt gesponserten Kurse boomen, wer einen Job will muss wegziehen. Und sogar in so einer kleinen Kreisstadt wie der meinen, gibt es kleine Hartz-Ghettos.

  1. Sehr „netter“ Text xD. Amüsant zu lesen allemal.
    Das mit dem Bayerischen und Hochdeutschen is halt so ne Sache. Bin ja selbst Österreicher und sprech auch nen bayerischen Dialekt. Bin halt damit groß geworden. Das Eigenartige is dann aber dass man als Kind massig TV Sendungen sieht wo ALLE hochdeutsch sprechen und man aber in der Unterhaltung mit einem Hamburger oder Berliner oder was weiß ich wem irrsinnig aufpassen muss nicht aus dem hochdeutschen in den Dialekt abzudriften. Hab in nem deutschen Counterstrike clan hobbymäßig gespielt…die ersten Tage im Teamspeak waren echt mühsam sag ich dir – Für mich UND die anderen xD.
    Aber man gewöhnt sich ja dann doch an die Sprache die man zumindest schriftlich doch schon ewig beherrscht (beherrschen sollte).

  2. Das ist toll geschrieben. So richtig schön böse, aber auch humorvoll.

    Die Bayern sind schon ein ganz spezielles Völkchen. Aber die hier in Sachsen auch. Gerade in den ländlichen Gegenden, wo nur noch alte Menschen wohnen und man eine komische Sprache spricht, die nicht mal ich verstehe. Alle 10 Meter ändert sich der Dialekt so stark, man kommt kaum mit. 🙂

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