Hassprinzessin

Es gibt so manche Dinge die ich nicht mag. Ich mag es nicht angegafft zu werden. Ich mag es nicht, wenn man mich halb tot quetscht, nur weil man meint man komme dadurch schneller in den Bus. Ich mag es nicht, wenn ich in mein Handydisplay kucke und mir ein fröhliches Doppelkinn zuwinkt. Ich mag es nicht, wenn jemand hinter meinem Rücken steht und dort irgendwas macht. Ich könnte die Liste ewig weiterführen. Oft sind es Kleinigkeiten über die es sich nicht einmal lohnt, sich aufzuregen. Da ich jedoch ein leidenschaftlicher Mensch bin, mache ich das natürlich und koste jede Sache aus, die ich nicht mag. Ich zetere vor mich hin, murmle, grummle und verfluche. Nicht weil ich ein negativer Mensch bin, sondern weil das ein Teil von mir ist, den ich ausleben muss, sonst würde ich wahrscheinlich durchdrehen.

Doch dann gibt es Dinge, die treiben mich zur Weißglut. Diese Dinge fallen dann nicht in die Kategorie Spaß-Ärgern sondern führen dazu, dass ich anfange zu hassen und das aus tiefstem Herzen.

Eines dieser Dinge ist es, wenn einer meiner Mitmenschen meint, mich erziehen zu müssen. Schätzchen, wenn du das vorhast, dann zieh dich warm an oder verpiss dich einfach freiwillig, denn das wird kein schöner Anblick wenn sich mein böser Blick in eine Hassfratze verwandelt. Sätze die wie folgt anfangen „Barbara, du musst…“ führen dazu, dass mein Puls anfängt zu rasen. Das gesamte Blut, dass sich in meinem Körper tummelt bahnt sich stoßartig ihren Weg Richtung Gesicht. Dort produziert es ein Pochen und Toben als wäre dort gerade ein riesiges Undergroundschranzfestival. Ich muss oft durchatmen um nicht touretteartig mit Schimpfworten um mich zu werfen, die ich dann zwar im Nachhinein sicher nicht bereuen werde, aber man hat irgendwann einmal gelernt, dass man nicht alles sagen darf, was einem auf der Zunge liegt. Und so balle ich meine Fäuste, atme tief ein und wieder aus und wieder ein und wieder aus und die Wut, die sich in mir aufstaut, die verschwindet einfach nicht. Befinde ich mich zufällig in einer Örtlichkeit in der man rauchen darf, wird erst mal eine ganze Schachtel durchgezogen. Ohne Pause. Mit schnaubenden Rauchsäulen aus meiner Nase. Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich nicht kritikfähig sei. Das ich scheinbar so sehr von mir selbst überzeugt bin und in die Sparte „unverbesserlich“ geschoben werden sollte, um dort zu vergammeln. Dass dem nicht so ist, muss ich keinem beweisen, da ich es selbst weiß, dass es nicht so ist. Ich nehme Kritik an. Wenn mir einer sagt ich sei zu laut, dann versuche ich meine Lautstärke zu reduzieren. Wenn mir einer sagt, ich solle jetzt mal ein bisschen kürzer treten, dann mache ich das. Wenn ich sehe, dass ich einen Fehler begangen habe, dann besitze ich das Talent, mich für diesen zu entschuldigen. Jedoch schürt es mein Aggro-Gen, das ich mit mir herumtrage, wenn jemand meint er müsse mir das Leben erklären. Er müsse mir zeigen, wie es funktioniert dieses Leben. Wenn derjenige vor mir steht, mit erhobenem Zeigefinger, auf mich herabsieht und den Lehrerblick auspackt, den Fräulein Rottenmeier neidisch gemacht hätte. Dann werde ich zum zornigen Wutzwerg und würde ihm am liebsten diesen Zeigefinger abbeißen um ihm das Ding ins Gesicht zu spucken. Ich bin immer wieder erschrocken über mich selbst welche wunderschönen Schimpfwörter mir doch einfallen und verbuche das jetzt mal als Talent. Und dann tut sich immer wieder die Frage auf. Wie kommt dieser Mensch dazu, dass er meint er müsse mich erziehen, mir zeigen was ich vermeintlich falsch mache? Ist es mein jugendliches Aussehen, das die Menschheit dazu verleitet in mir die ewige Fünfzehnjährige zu sehen? Oder ist es einfach nur eine Unart dieser Person die meint die Weisheit mit dem Suppenlöffel gefressen zu haben? Ich weiß es nicht und werde diese Sache wohl nie ergründen können da ich mich von solchen Menschen distanziere. Oft versuche ich noch, die Wogen zu glätten. Ich verstricke mich in Erklärungen aber nicht nur, dass diese Menschen das Talent besitzen sich anzuhören wie billige Ratgebertanten aus den Frauenzeitschriften, nein, sie schaffen es auch, jegliche Einwände, die man vorbringt zu überhören. Sie reden weiter und weiter und sind so sehr damit beschäftigt, sich selbst einen auf ihren Intellekt zu wichsen und auf die Vorstellung, dass sie jetzt mal der kleinen Barbara die Welt erklären, dass sie es einfach nicht hören wollen, was ich denn zu sagen habe. Sie geben einem ungefragt Ratschläge. Ratschläge, die die Welt meistens nicht braucht, aber es fühlt sich scheinbar gut an, eine kleine Ratschlag-Liesel zu sein, sodass sie das in jeder sich bietenden Situation auskosten bis aufs Letzte. Ich kann es sehen. Wie genau diese Menschen verständnislos den Kopf schütteln über diese Worte weil sie ja wissen, wie sehr sie doch im Recht sind. Ich kann ihre Gedanken hören, wenn sie davon sprechen, dass ich ein unverbesserliches Gör bin und wohl nie dazulernen werde. Und das ich doch in mein Verderben rennen soll wenn ich mir einbilde, ich wüsste wie der Hase läuft. Aber ein kleiner Einwand, wenn ihr fertig seid mit eurem Urteilen über mich und meine Abneigung euch gegenüber.

ICH HABE EUCH NICHT UM EUREN RAT GEBETEN!!!

Wenn ich zu einem Menschen gehe und ihn darum bitte mir seine Meinung zu etwas zu nennen, dann höre ich mir diese an. Akzeptiere sie und setze sie vielleicht sogar um. Aber ungebeten in meiner Art zu leben herumpfuschen zu wollen macht, sodass sich Gewaltszenen in meinem Kopfkino abspielen, kann und will ich nicht akzeptieren.

Alle wollen wir akzeptiert werden und alle sind wir doch eine große liebevolle Menschenmatschfamilie in der jeder so leben darf wie er will und doch gerade unsere Fehlerchen machen uns doch so sympathisch. Ich versuche nach dieser Regel zu leben. Ich versuche die Macken eines jeden zu verstehen weil ich weiß wie schwer es oft sein kann, mit sich selbst im Reinen zu sein. Jedoch sind die Oberlehrer, die sich bedrohlich über mich beugen scheinbar so gottvefickt ausgeglichen, dass ihnen dieses Gefühl total fremd ist. Und so verurteilen sie mich, beurteilen mich und schleudern ihren Gedankenrotz in mein Gesicht ohne darüber nachzudenken, dass ich das vielleicht gar nicht will.

Barbara muss gar nichts. Barbara muss schlafen, essen, scheißen, in die Arbeit gehen und höflich sein. Das muss die Barbara. Sonst muss die Barbara rein gar nichts und wer das nicht versteht, der soll sich doch bitte gepflegt ins Knie ficken und dabei verklärt an mich denken. Ich bin kein Projekt dem man sich widmet um einen besseren Menschen aus mir zu machen. Akzeptiere mich so wie ich bin oder lass es bleiben. Dieser Planet bietet so viele andere Menschen, denen du mit deiner Art den Tag vermiesen kannst, such dir doch bitte ein anderes Opfer.

Advertisements

4 Gedanken zu “Hassprinzessin

    • Liebes Papier,
      weißt du wie schwer es einem Zornklumpen es fällt jemanden zu ignorieren? Und ignorieren führt dazu, dass diese Menschen das immer und immer und immer wieder machen. Das möchte ich jedoch vermeiden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s