Liebe vs. Beziehung

„Aber wenn du ehrlich bist, dann sehnst du dich doch auch nach Liebe und du bist auch so ein Kandidat ‚Harte Schale, weicher Kern’. Ist es nicht so?“

Diese Aussage kriege ich gern mal an den Kopf geworfen und ich frage mich immer, welche Antwort diese Menschen erwarten, denn scheinbar reicht es ihnen nie aus, was ich ihnen entgegne.

Sicher sehne ich mich nach Liebe. Welcher Mensch tut das bitte nicht? Liebe wird verbunden mit all den wunderbaren Gefühlen die man
empfindet. Der Mensch liebt vieles. Tiere, Essen, gute Getränke, Musik und eben auch andere Menschen. Manche lieben sogar ihr Auto. Und auch ich möchte mich nicht verschließen diesem Gefühl, dass dem Herz den Takt angibt.

Doch zu oft verwechselt man Liebe mit einer Beziehung. Diese beiden Dinge werden gleichgestellt. Und die Frage, die eigentlich gestellt wird ist, ob ich mich denn nicht nach einer Beziehung sehne. Und das tu ich auf jeden Fall nicht. In meiner Welt kann ich Liebe haben ohne mich in eine Partnerschaft stürzen zu müssen. In meiner Welt gibt es andere Dinge die mir Liebe schenken und denen ich diese zurück schenken kann ohne sie als „Schatz“ betiteln zu müssen (was ich grundlegend als Fehler erachte wenn man so etwas tut, denn aus einer Person wird ein Ding, eine Sache und im schlimmsten Fall sogar ein Tier, zwar meistens ein plüschiges putziges mit großen Kulleraugen aber eine „Schnecke“ will ich jetzt z.B. nicht sein. Die hat mein Vater nämlich früher immer mit einer großen Schere in der Mitte auseinander geschnitten.).

Ich steh auf die Liebe. Liebe ist eine Sache, die die Welt am Laufen hält. Es verbindet alles miteinander und ohne Liebe währen wir arme Würmchen und sollten uns Gedanken machen, warum wir immer noch auf dieser Erde wandeln. Und wie in meinem Valentinstags-Beitrag angesprochen finde ich es schön, wenn sich zwei Menschen finden und sich ihrer Liebe bewusst sind, die zusammen glücklich sind und sich gemeinsam den Aufgaben des Lebens stellen.

Doch für mich ist das nichts. Vielleicht in ein paar Jahren wieder. Doch trotz meines Singledaseins, das in einigen Monaten ihr Dreijähriges feiert, ist in mir noch nicht der Wunsch aufgekeimt irgendwas an diesem Zustand zu ändern. Nicht weil mich die Geister der Vergangenheit immer noch verfolgen und ich diesem einen Ex so sehr nach trauere. Sondern deswegen, weil ich so sehr geliebt habe und so blind wurde vor Liebe, dass nur ein großer Knall dazu führen konnte mir die Augen zu öffnen. Ich war nicht besessen von diesem Menschen, doch ich war süchtig nach diesem Gefühl das er mir gab. Er war mein Lebensmittelpunkt geworden und wenn ich diese Beziehung mit Abstand betrachte war sie ziemlich beschissen. Manchmal glaube ich, dass es nur der Sex und die Gewohnheit war, die uns so lange aneinander gehalten hat. Und unser Umgang miteinander nach der Trennung beweist, dass Sex scheinbar wirklich das einzige war, das man als gemeinsame Basis betrachten konnte. Wir beide entwickelten uns zu dieser Zeit, jedoch leider in gegengesetzte Richtungen. Ich möchte diese Erfahrung, die ich gemacht habe auf keinen Fall missen. Zwar war ich oft der Ansicht, dass sie mir mein Pensum an Trauer geraubt hat, die ein Mensch scheinbar für sein gesamtes Leben zur Verfügung hat, aber auch diese Phase des nicht schlafen können, nicht essen können, weil bei dem Gedanken an Essen die Übelkeit in mir hoch stieg möchte ich nicht mehr hergeben. Denn sie hat mir gezeigt welche Fehler ich gemacht habe in dieser Zeit in der ich meinte diese Liebe zu diesem einen speziellen Menschen sei das Wichtigste was es in meinem mickrigen Leben gibt.

Gebrannte Kinder scheuen das Feuer und vielleicht ist das bei mir auch der Fall. Vielleicht ist die Angst noch einmal dort anzukommen, dort unten wo sich die Maden Gute Nacht sagen und der Tränenschleier einem die Sicht vernebelt, viel zu groß, als das ich mich auf etwas Neues einlassen könnte. Oder vielleicht ist es einfach nur die Erfahrung, die ich die letzten Jahre machen durfte, dass es so vieles Wichtigeres geben kann als auf der ewigen Suche zu sein, nach seinem vermeintlichen Seelenpartner.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich in der Richtung, nennen wir es beim Namen, in Sachen Beziehungen, irgendwann einmal den Punkt erreichen werde, an dem ich mein Herz wieder öffnen kann. Doch ich möchte mich endlich loslösen können von dem allgemeinen Irrglauben, dass man nur zu zweit glücklich sein kann. In meinen Augen ist man erst dann Mensch geworden, wenn man so stark ist, dass man in der Einsamkeit einen Freund findet ohne sich einsam zu fühlen. Wenn man es schafft, sich mit sich selbst wohl zu fühlen und wenn man es nicht nötig hat jemanden neben sich sitzen zu haben, der einem sagt welch ein toller Mensch man doch ist.

Ich habe geliebt, ich werde geliebt, ich werde lieben und ich werde geliebt werden. Und die Zeit wird zeigen welche Sorte von Liebe die Zukunft für mich bereithält.

AMEN!

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4 Gedanken zu “Liebe vs. Beziehung

  1. Schöner Beitrag – kommt mir irgendwie bekannt vor, denn ich habe auch so eine Geschichte hinter mir 🙂
    Wir haben uns auch entwickelt damals und ebenfalls in verschiedene Richtungen…das ist nun mal so – ein Mensch entwickelt sich sein Leben lang weiter und man kann nur darauf hoffen, dass der aktuelle Partner sich zufällig in die selbe Richtung entwickelt, sonst hat so eine Beziehung nun mal keine Zukunft. Nach dieser achtjährigen Beziehung war ich auch erst einmal kuriert von Beziehungen generell. Hab dennoch tolle Menschen kennen gelernt, enge Freundschaften haben sich entwickelt und ich habe auch ohne Beziehung viel Sex gehabt – vermisst habe ich in der Zeit auch nichts, wenn ich zurückblicke.
    Die neue Liebe und die neue Beziehung haben mich dann irgendwie irgendwann überrumpelt, als ich gar nicht damit gerechnet hätte und immerhin haben wir jetzt auch schon 6 gemeinsame Jahre auf dem Buckel. Fazit dieses unerhört langen Kommentars: Du machst genau das richtige gerade, wenn Du nicht verzweifelt einer Beziehung hinterher hechelst 🙂

  2. wieder ein schoener beitrag von dir in richtung seelenstrip. deine worte haben mir viel verstaendnis ueber einen amderen menschen -ueber dich- gebracht. vielleicht wolltest du dir ’nur‘ deiner gefuehle bewusst werden, aber vielleicht interessiert dich auch meine meinung dazu – hier kommt sie: es gibt wichtigeres als liebe und beziehungen, naemlich vertrauen(!). ich kann mich einem ‚geliebten‘ menschen nur dann ganz hingeben, wenn ich ihm bedingungslos vertraue. vertraue in dem sinne, dass ich mich nach hinten fallen lassen kann und weiss, dass da jemand ist, der mich auffaengt. natuerlich kommt es in einer ‚beziehung’/’liebe‘ zum streit – das sollte aber immer ein klaerender, reinigender streit bleiben und kein verletzender, schmerzender. in den 38 jahren meiner ‚beziehung’/’liebe‘ gab es einige situationen in denen trennung als damoklesschwert ueber uns hing – aber nie wegen verletzung des vertrauens (ist mir jedenfalls keine situation bewusst).
    wenn wir uns immer wieder ehrlich der ‚vertrauen’frage gestellt haben, haben wir uns gegen die trennung entscheiden duerfen. bei uns war von vorn herein klar, dass mit seitensprung, fremdgehen und so, auch keine testszenarien konstruiert werden, denn diese frage waere bereits ein vertrauensverlust gewesen. darueber sprechen ‚ja‘, aber so tun als ob ’nein‘.
    ich bin nicht pruede und werde mich nicht gegen fremdgehen oder seitensprünge ereifern, es tun mir nur die leute unendlich leid, die keine person ihres vertrauens haben(egal welcher sexus, egal welches alter, egal welche weltanschauung).
    wenn deine worte zutreffen, bist du (noch) auf der suche nach der person deines vertrauens – mein rat (aus eigener erfahrung): egal ob ‚liebe‘ oder ‚beziehung‘ checke das gegenseitige vertrauen, ob es solange halten wuerde, wie du vorhast, dich zu binden. ich hab mal nicht in das horn vom ‚weltschmerz‘ getutet – trotzdem wuensche ich dir, dass du das gleiche glueck erfaehrst, wie ich es lebe (auch manchmal mit adrenalinschueben durch angst, aerger oder streit).

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