Martyre

Wirbelstürme zerren an meinen Eingeweiden. Gedanken brechen mir, mit aufgegeiltem Blick, jeden Finger einzeln. Immer und immer wieder. Jede Sehne meines Körpers schneiden sie mit Bedacht durch und kichern leise, weil der Körper immer mehr in sich zusammensackt.

Blut, überall dieses Blut. Blut vermischt  mit Schweiß und Tränen. Die Wimpern fallen mir aus und segeln sanft und leise zu Boden. Hinein in diese Lache aus Körperdreck. Die Stimmbänder zu einer kleinen Schleife verknotet, raubt mir die Möglichkeit mich schreiend zu wehren. Immer lebloser dieser Fleischberg und die Gedanken toben sich weiter aus.

Rasieren meinen Schädel und basteln kleine Puppen aus meinem strohigen, fahlen Haar. Werfen sie in die Luft wie man es mit Babies macht, lassen sie dann jedoch auf dem Boden fallen und hüpfen ausgelassen auf ihnen herum. Sie tanzen um mich herum und singen ihre Lieder mit krächzender Stimme. Sie handeln von der Trauer und der Einsamkeit. Dem Versagen und dem verlassen sein. Stecken mir währenddessen klitzekleine Nadeln in die Augäpfel und freuen sich dabei die Seele aus dem Leib. Immer mehr Nadeln schmücken meine Augen sodass man statt diesem grau verschleierten Blick nur noch dicht aneinander gereihte silbern glitzernde Nadelköpfe erkennen kann.

Meine Mundwinkel mit Sicherheitsnadeln zu einer grinsenden Fratze fixiert.

„Du sollst LACHEN, von Herzen LACHEN, wie es deine Gedanken MACHEN!“

schreien sie mir im Chor entgegen. Springen auf und ab und lassen dabei meine gebrochenen Fingerknochen klappern. Das Ende noch lange nicht in Sicht und wehren will ich mich schon lange nicht mehr. Glühende und rostige Nägel treiben sie in mein Herz und reißen sie schnell wieder heraus. Immer tiefer und schneller bis es nur noch ein schleimiger Brocken ist, der bei jeder Bewegung der Gedanken erschrocken zusammenzuckt. Lungenbläschen lassen sie mit kindlichem Eifer platzen wie die Bläschen der Luftpolsterfolie.

Und so treiben sie ihr Unheil. Lassen sich immer wieder Neues einfallen um mich zu quälen. Immer ausgefallener die Folterinstrumente und immer länger die Dauer des Martyriums. Sie lachen mich aus, weil ich mich nicht gegen sie wehren kann, summen mir traurige Melodien ins Ohr um mir danach fettige Essstäbchen in die Gehörgänge zu rammen. Sie lieben die Geräusche die mein Körper macht, wenn sie ihn zerstören und ihm all seine Lebensenergie aussaugen.

Warum hatte ich mich nicht früh genug gegen sie gewehrt? Mich stattdessen mit den seichten Gedanken angefreundet, wie alle anderen? Nein! Es mussten die morbiden sein. Die, die die Nächte mit einem durchmachen und einen schweißgebadet aufwachen lassen.

Selbst Schuld. Ich erdulde es. Lasse ihnen ihren Spaß, ihre Schadenfreude, denn die soll doch die Größte sein und ich wünsche meinen Freunden doch immer nur das Beste.

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5 Gedanken zu “Martyre

  1. deine sprache gefällt mir, du solltest die übergänge allerdings nachvollziehbar machen und den leser schlüssiger führen, lass dich durch meine emotionslose rethorik nicht prellen, du kannst gefühle besser darstellen als ich. vielleicht gefällt dir das http://bit.ly/9gAkgt
    achtungsvoll twitter.com/WilfriedPD

    • Danke für deinen Kommentar. Konstruktive Kritik ist gute Kritik. 😉
      Da das, was ich schreibe einfach so aus mir rauspurzelt und die Schreibfehler die ich produziere beweisen, dass ich mir das Geschriebene meist kein zweites Mal durchlese, entsteht wohl dieses führungslose Geblubber. Genau so entspringt es meinem Kopf und genau so will ich es auch festhalten.

      • so empfinde ich es auch richtig: einfach schreiben was man denkt, wenn du da noch auf richtigschreibung achten willst, machst du das gute nur schlecht. ich meinte eigentlich, dass es mir so vorkommt, als hättest du nicht alles(!) geschrieben was in deinem kopf war, sondern etwas auslassen hast … weil du schneller im denken bist, als im schreiben- verstehst du was ich meine?
        ich kann beispielsweise „schreibend denken“ – kannst du das auch?

      • Das Problem bei meiner Art zu schreiben ist es nicht, dass ich zu langsam bin im Abtippen meiner Gedanken. Das Problem ist, wenn es denn ein Problem ist, dass meine Gedanken zu verworren sind. Sie platzen einfach aus mir raus. Unkoordiniert und das Ergebnis ist dann das was ich auf dem Blatt stehen habe. Ich lasse mich leicht ablenken und so sind auch meine Gedanken. Sie springen herum und brüllen mir Wortfetzen entgegen, bis irgendwann mal wieder der Moment kommt „Boah kuck mal, ein Hund.“ Ich hoffe du verstehst was ich meine.

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