Vienna

The day before (28.01.10)

Huihuihuihuihui! Ganz aufgeregt ist es, das kleine rosa Wonneproppending. Morgen wird verreist. Und es geht ins AUSLAND! Die sprechen dort doch sicher total anders und was ist, wenn ich eine wichtige Impfung vergessen habe (Pest, Cholera oder Pupsitis?). Und wenn ich das Essen nicht vertrage?
Sollte wohl doch noch eine Apotheke aufsuchen und mir ein kleines Notfallmedikamentenpaket schnüren lassen. Sicher ist sicher!

Mist! Ein Wörterbuch habe ich mir auch nicht mehr zugelegt. Hoffentlich können die da Englisch. Naja, wenns ist, dann kann man sich doch immer noch mit Händen und Füßen (also Ohrfeigen und Schienbeintritten) durchs Ausland schlagen.

Genug Unterhosen und Zigaretten wären eingepackt. Alles andere wie Hosen oder Hello Kitty-Bademäntel mit Puschelsaum kann man zur Not auch dort kaufen. Da kann man dann dann auch mal auf Essen verzichten, weil das Budget sowieso so knapp bemessen ist, dass der Hauptanteil für Benzin und Parken drauf geht. Ausserdem haben wir einen Hotelaufenthalt inkl. Frühstück und da der Deutsche im Ausland sowieso immer derbe auf die Kacke haut, bastel ich mir einfach kleine Pausenbrote für den anstrengenden Sightseeingteil. Die müssten das doch sowieso alles wegwerfen.

So, nochmal aufs Klo, weil morgen Früh gehts los. Noch ne Ladung Wäsche in die Maschine, damit sie duftend nach waschmaschinentrocken ist, wenn ich wieder nach Hause komme und das Fenster weit öffnen um mal ein paar Tage durchzulüften. Einfach die Heizung voll aufdrehen, damit es nicht kalt ist, wenn ich wieder komme.

Oh, Sonnenmilch nicht vergessen. Will ja keinen Sonnenbrand aus dem Ausland mitbringen.

Reise, Reise, Anreisääää (29.01.2010)

So! Also das ist es jetzt. Dieses „Ausland“. Mh. Erste Amtshandlung: Handy in Flugzeugmodus gebracht. Dann ist man zwar nicht mehr erreichbar und der Sinn dieses mobilen Endgeräts geht auch flöten aber man kann ja auf die Uhr kucken und Spiele zocken.

Und was ist jetzt anders? Der Schnee scheint der selbe zu sein. Wohl extra importiert um es für uns ein bisschen heimeliger zu machen. Das Auffälligste ist wohl aber die Autobahn. Hier merkt man einfach, dass der Österreicher ein gemütlicher Geselle ist. In Deutschland würden wir mit durchschnittlich 150 km/h unserem Ziel entgegen jagen. Hier tuckeln wir mit einlullenden 100 km/h dahin und haben die Möglichkeit die wunderbaren Eindrücke einer Autobahnfahrt auszukosten. Die vielen Schilder, die netten Halbkreise auf dem Seitenstreifen und auch mal ein Plausch mit dem sympathischen LKW-Fahrer neben einem wird so ermöglicht.

Ach, ich muss aufs Klo und habe Durst. Aber es liegen ja nur noch ca. 2 Stunden Autofahrt vor uns.

(NIE WIEDER RASTSTÄTTENTOILETTEN!!!!)

Hangover (30.01.2010)

Der gestrige erste Tag in Wien zusammengefasst: Aggressionen deluxe, Konzert, Aggressionen superdeluxe, Frieren.
Das Hotel ist super. Klein, verkitscht mit billigen Kristallkronleuchtern an der Decke und kleinen süßen alten Möbeln und wundervolle Spiegel mit imposanten Rahmen. Der Portier/Schlüsselgeber/Türöffner ist sogar um 3 Uhr Morgens noch ausgesprochen freundlich. Doch das war es bis jetzt leider mit den positiven Eindrücken dieser Stadt. Vielleicht haben wir Wien auf dem falschen Fuß erwischt. Vielleicht war Wien kaputt von der Arbeitswoche und hatte keine Lust auf zwei kleine deutsche Gören die nach wundervollen Eindrücken gieren. Vielleicht haben die Wiener noch nie jemanden mit pinken ausgewaschenen Haaren gesehen weil sie eher den Anblick von alten Damen in Kunstpelz gewöhnt sind. Vielleicht sind sie aber auch nur so schlecht drauf weil sie alle den selben ekelhaften Döner gegessen haben wie wir oder lauwarmen Käseleberkäse. Wer weiß. Ich fühlte mich beobachtet. Immer. Sogar in meinem kleinen Kaff kann ich rumlaufen ohne so offensiv angeglotzt zu werden. Und ich bin in diesem Kaff nicht gerade bekannt als crazy Ding von dem man erwartet, dass sie mit komischen Haaren durch die Gegend läuft. Und scheinbar stehe ich dem Wiener IMMER im Weg. Egal wo ich stehe, egal wie viel Platz um mich rum noch frei ist, der Wiener scheint von mir magnetisch angezogen zu werden und dann muss der an mir vorbei rempeln. Vielleicht bin ich aber auch nur zu doof und stell mich mit purer Absicht genau da hin, wo sie alle vorbei wollen. Wer weiß. Mein Budget für die Reise ist jetzt schon fast ausgereizt. Zu viele Läden gesehen in denen man sein gesamtes Monatsgehalt lassen möchte um sich vollbepackt mit Sachen, die der Mensch nicht braucht, aber das Leben um so vieles schöner machen, wieder gen Heimat zu fahren. Gestern Nacht apRon und Frostbeulen. Heute Prater und Frostbeulen. Man darf gespannt sein. Ach und ich werde NIE wieder ohne Stadtplan durch eine fremde Stadt laufen. Ist zwar ziemlich sportiv wenn man zigtausendmal in falsche Straßen einbiegt, zerrt aber am Nervenkostüm und schürt Aggressionen gegen alles. Ich gebe Wien noch eine Chance. Den Wienern. Das sind doch die mit dem Charme?! Bitches, lasst mich euren Charme spüren.

Zombieland (30.01.2010)

Der zweite Tag in Wien geht vorüber. Na gut, um ehrlich zu sein, ist es jetzt 17:23 wir waren produktiv vielleicht vier Stunden außer Haus aber so ein Urlaub soll ja auch nicht in Stress ausarten. Und wir haben es zumindest geschafft um 9 Uhr beim Frühstück aufzutauchen. Dafür haben wir Konfettiregen und Pralinenschachteln in Hülle und Fülle verdient. Mindestens!

Zuerst ging es ins Cafe Landtmann. Da saß schon Romy Schneider rum. Scheinbar DAS Cafehaus in Wien, zumindest wenn man nach den Preisen geht. Da zahlt man schon mal 11 € für einen Schokocino mit Karamellzeuch und ein kleines Stückchen Mozarttorte. Hey, ist doch Urlaub.

Während dem Außenaufenthalt schön Touri gespielt und alles fotografiert was alt und wichtig aussah. Sogar ein Plakat auf dem mein Nachname stand. Wenn ich dann fünfstündige Dia-Abende veranstalte lockert so was doch sicher die Stimmung auf zwischen all dem „Und das ist nochmal ein altes Haus.“. Nach Kalorienexplosion und Geldbeutelmagerkur machten wir uns auf den Weg zum Wiener Prater. Vor unserer Abreise hatte ich mich kaum informiert und schwankte bei meinen Vorstellungen dieses Ortes zwischen „weißes Blatt“ und „verkitschte Romantik“. Dann sah ich es, dieses Riesenrad. Liebe Wiener, ist euch klar, dass das alte S-Bahn-Wägen sind die an ein riesengroßes Rad getackert sind? Nicht nur, dass meine verkitschte Vorstellung von barocken mittelgroßen Kabinen mit Schnörkel und Gold und Engelein total zerstört wurden, auch die Idee den Prater im Winter zu besuchen stellte sich als Fehlentscheidung heraus. Es erinnerte mich alles sehr an Zombieland und ich wartete darauf jeden Moment von einem menschenfleischbesessenen Zombie hinterrücks angegriffen zu werden. Aber weil man gewisse Dinge einfach mal getan haben muss, wurde S-Bahn-Riesenrad gefahren. Ich habe Fotos gemacht, mich krampfhaft festgehalten und weiter Kopfkino gekuckt in dem die Fenster der S-Bahn so schepperten, weil auf dem Dach Untote lagen, die mir an mein Gehirn wollten. Bestätigt wurde mir, dass ich auch weiterhin an Höhenangst leide. Das zum Thema Schocktherapie. Am Arsch!

Weiterer Plan: warme Füße kriegen, Hotelzimmer verwüsten weil wir purer Rock’n’Roll sind und dann zeitig schlafen um morgen die Ersten am Frühstücksbuffet zu sein.

(Kleiner Reisetipp zwischendurch:
Wenn man lustige Passfotoautomatenbilder machten möchte, sollte man, bevor man sich minutenlang damit beschäftigt die richtige Art der Fotoaufnahme auszuwählen, vergewissern, dass der Geldeinwurfschlitz auch funktioniert.)

„Sisi!“ „Fraaanz!!!“ (31.01.2010)

Ein Tag der dem Alten, dem Schönen und dem Verkitschten gewidmet war. Gleich vorweg. Ich bin kein Fan der Sissi-Trilogie. Ich kann diesem aufgesetzten Getue und dem Hype um diese Person (die, wie wir gelernt haben, sowieso nicht so war, wie in den Filmen dargestellt) nichts abgewinnen. Ich verstehe die Euphorie in der Vorweihnachtszeit nicht, wenn mir Pärchenmädchen erzählen, dass sie Sissi gekuckt haben (und der Lebensabschnittsgefährte saß grummelnd daneben). Aber ich liebe den Kitsch den Schlösser ausstrahlen. Ich liebe den Prunk, die hohen Decken, die vielen kleinen sinnlosen Zimmer, die gern mal in Gedächtnisräume umfunktioniert werden, wenn ein geliebter Cousin zweiten Grades stirbt. Das Gold, die wunderschönen Kronleuchter und die schweren Vorhänge lassen mich hachen und staunen und schwelgen in einem kleinen Prinzessinentraum. Und so war es auch heute. Der heutige Plan Schloss Schönbrunn, Hofburg (Kaiserappartement, Sisi-Museum und Silberkammer) und Hofmobiliendepot wurden knallhart durchgezogen. Und staundend lief ich durch die Räume mit einem kleinen Mann am Ohr der versuchte, mir historische Daten ins Hirn zu pressen. Eine der wenigen Dinge die hängen blieben waren, dass Sisi bei 1,70 vielleicht mal 50 Kilo wog und das sie gern mal bei Menstruationsbeschwerden zu einer Kokainspritze griff, was scheinbar üblich war.

Die Füße weinen, weil sie schmerzen, der Hunger grummelt weil er nach Nahrung verlangt und der Input macht, dass ich wie erschlagen auf dem Bett sitze und keinen geraden Gedanken mehr fassen kann. Darf ich sagen, dass es wunderschön war? Denn das war es. Kalt aber wundertastisch. Die Prinzessin in mir jubelt und frohlockt dreht sich um die eigene Achse und fällt dann derbe auf die Fresse weil die 20 Kilo Kleid dank der Fliehkraft ihr die Beine unter den Füßen wegzieht.

Jetzt noch schick Pizza ins Hotel bestellen, den billigen Kostenloswein trinken und vom Radetzky Marsch träumen.

Geld, Geld, Pleitegeier (01..02.2010)

Gestern noch netter Totalausfall, insbesondere geistig. Zusammengefasst: eine Flasche Billigwein, Sushibestellung um 23 Uhr Nachts um noch Bier zu kriegen, Bibbe-Talk und unruhiger Schlaf.

Heute war der Tag dem Geld ausgeben gewidmet. Alles was ich noch hatte musste weg, weg, ganz weit weg. Viel gesehen, viel gewollt, ein wenig gekauft und jetzt kann der Urlaub enden, denn jetzt bin ich blank.

Man verlangt wieder ein Fazit. So etwas wie „Oh, es war so schön in diesem Wien und ich will unbedingt wieder her kommen.“ Ja, es war schön. Jeden Abend bin ich wie geprügelt ins Bett gefallen und wollte nie wieder raus. Und die Stadt hat wunderschöne Seiten und leider habe ich sicher nicht alles gesehen, was man unbedingt als Touri sehen muss. Ich habe wie wild fotografiert und versucht so viel wie möglich von dem speziellen Charme der Stadt in mich aufzusaugen. Liebstes Wien, wir werden keine besten Freunde aber solltest du mal in der Gegend sein, sag Bescheid. Für einen Kaffee und ein Kippchen bin ich immer zu haben.

Morgen Heimreise auf der Lahmarschautobahn und dann schon wieder ab ins Hamsterrad und in die Prüfungsvorbereitung. Freiheit, wir werden uns jetzt ein Weilchen nicht sehen.

(Achja… wer Bilder kucken kommen will sagt Bescheid. Ich hab sogar die öffentlichen Klos des Schloss Schönbrunn fotografiert. Große Show! ;))

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3 Gedanken zu “Vienna

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