Die Hoffnung stirbt zuletzt

Und so zog sie sich zurück. Wie sie es immer machte wenn es zu schwer wurde es zu ertragen. Dieses Elend das sie immer wieder um sich hortet bis es sie bis zum Hals eindeckte. Sie glitzerten, diese kleinen Elendsflocken. Sie pulsierten als hätte ein jedes davon ein Herz. Ein Herz, das nur für sie schlug. Jedes einzelne. Und wenn sie ehrlich war, fühlte sie sich wohl. Sie wälzte sich in ihrem Elend. Suhlte sich in dem Gefühl. Warf die Elendsflocken hoch in die Luft und genoss es wenn sie prasselnd und schluchzend auf ihr Gesicht fielen. Denn damit kannte sie sich aus. Doch natürlich musste das alles geheim bleiben. Keiner durfte erfahren, dass sie dieses Elend ihr Eigen nannte. Sobald sie sich nach draußen bewegte hüllte sie sich gerne einmal in den Mantel des Schweigens. Oder setzte sich diese Maske auf die mehr einer hässlichen Fratze glich. Alle glitzernden und pulsierenden Flocken mussten sorgfältig abgeschüttelt werden. Nicht ein einziges durfte haften bleiben. Denn sie war die Starke. Die, die sich selbst am Besten durch den Kakao ziehen konnte. Witze die sie sich selbst auf die Rechnung setzte. Bevor ein Anderer schneller war und ihre wunden Punkte drückte. Doch es war nicht nur dieses Elend, dass es sich in ihren vier Wänden breit gemacht hatte. Oft kam auch diese Unzufriedenheit zu Besuch. Fütterte sie mit Kuchen und Wein bis sie betrunken und mit schokoladebeschmiertem Gesicht aus dem Elend kleine Traumschlösser baute, die in sich zusammenbrachen sobald die Unzufriedenheit nieste. Und das machte die oft weil sie allergisch war gegen den Zorn, der meistens damit beschäftigt war in Zornesrot Schimpfworte an die Wand zu kritzeln. Sie lebten gut zusammen diese vier und ohne die anderen drei wusste das Mädchen oft nicht, was sie mit sich anfangen sollte. Der Gedankenstrom hörte auf zu fließen und sie sehnte sich nach einer Inspiration im Schönen. Doch leider war dieses oft krank. Geschwächt lag es neben ihr auf dem Bett. Die weiße, fast durchsichtige Haut von Schweißperlen übersät. Schüttelfrost der seinen kleinen zarten Körper zum Beben brachte. Man musste sich immer darum kümmern. Ihm Suppe einflößen und beruhigend von der Sonne erzählen, die es schon lange nicht mehr sehen durfte.
In schwachen Momenten packt das Mädchen ihre sieben Sachen. Nur das Notwendigste denn zur Flucht benötigt man leichtes Gepäck. Und doch ermahnte sie die Realität ein jedes Mal wieder, dass man nicht flüchten könnte. Es gäbe einen Ausweg, doch durch eine Flucht würde sie sich nur noch weiter von diesem entfernen. Und so blieb das Mädchen. Streichelte, kochte Suppe, trank Wein, aß Kuchen und reichte Farbe. Weil sie den Ausweg einfach nicht fand. Doch die Hoffnung säuselte sie jede Nacht wieder in den Schlaf. Knabberte ihr zärtlich an den Ohrläppchen und erzählte ihr wundervolle Geschichten. Und so schlief sie ein, jede Nacht mit einem Flehen, dass die Hoffnung wirklich zuletzt sterben würde.

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Ein Gedanke zu “Die Hoffnung stirbt zuletzt

  1. Ich bin schon oft weggelaufen. Bringt es nicht. Man nimmt das größte Problem immer mit, egal wohin man geht: sich selbst. Am Ende steht man immer am Anfang.
    Anyway: Umwege erweitern die Ortskenntnis…

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