Damals [08.03.09]

16:14 Uhr Die Wände. Sie starren mich an. Die Möbel, jedes einzelne Buch, sogar die verwaisten Nägel in den Wänden. Sie starren und schreien mich an. „Mach was! Jetzt! Beweg dich. Beweg dich und bleib nicht stehen! BEWEGUNG!!!!“ Geistiges Bewegen, weiterkommen, mentaler Stillstand ist der Tod, aufgehen in Aufgaben, aufgeben von Aufsehen, erregen von Unverständnis.

15:37 Uhr  Gewühlt in Schachteln mit Erinnerungen. Wortfetzen. Worte von Menschen. „Danke dass du dich für mich entschieden hast.“, „Es tut mir so sehr leid, dass du so bescheuerte Eltern hast.“, „Bücher? Ich dachte du kuckst lieber TV.“, „Essen ist gut, Wetter ist schön!“, „Alles Gute zum Geburtstag!“ In der Musik gekramt, die so wichtig scheint. Digitalisiert um sie für die Lebenszeit einer Festplatte zu konservieren.

16:40 Uhr Bereit bin ich. Für den Schritt nach vorne und doch humple ich statt zu gleiten. Steine im Weg. Inkonsequenz im Kopf. Wirr, so wirr wieder alles und kein Entrinnen.

16:51 Uhr Ein Kuss auf die Wange. Ewig her, dass diese Lippen etwas anderes als Familie oder das eigene Spiegelbild berührt haben. Küsse ich mein Antlitz im Spiegel? Wohl eher nicht. Küsse ich? Wohl eher kaum. Ein Kuss, der Beginn von vielem und eigentlich von Allem. Verlernt. Der nächste Kuss wie der erste Kuss. Fraglich wann und fraglich ob überhaupt. Neapolitaner als Ersatz. Keine Drogen, nur Nahrung. Kauleiste auf und ab und auf und ab und je öfter, desto schwerer fällt der Blick in den Spiegel. Spiegel der Seele, Körper ohne dieses gewisse Etwas wonach man sucht wenn man denn mal sucht. Wird nach mir gesucht und will ich überhaupt gefunden werden?

15:32 Uhr Müllhalde, Baustelle, Aufräumaktion, Trümmerfrau in den eigenen vier Wänden. Es brennt. „I hope you die!“ Gesungen!!! Geschrien und an diese Person gedacht. Geschämt weil die Moral ja doch wieder gewinnt.

16:59 Uhr SMS. Die Kommunikation der Neuzeit. Erzähl mir was. Stell mir Fragen. Sag mir was du getan hast, dann sag ich dir was ich getan hab. Ich zeig dir meins wenn du mir deins zeigst. Schwanzvergleich? Alta, das Leben ist rund! TV! Die Bloßstellung von Existenzen. Aufgegeilt durch den Geltungsdrang Einzelner. Lebst du noch oder lässt du leben?

17:02 Uhr Umarme mich jetzt! Genau jetzt. Der Kopf will gestreichelt werden, der Körper umarmt, die Wangen geküsst. Schweres Atmen, ruhig und satt. Satt vor Glück. Rote Wangen vor Zufriedenheit. Wohlfühlen. Zu Hause sein und dort auch wirklich ankommen. Willst du mein zu Hause sein? Darf ich bei dir ankommen und ab und zu vielleicht sogar mit dir kommen? Berühr meine Seele. Jetzt!!! Hörst du nicht? Fällt es so schwer?

16:01 Uhr  Pille geschluckt, an der eigenen Selbstüberschätzung verschluckt. Vertreibe die Geister die ich rief. Exorzismus! Aber bitte nicht ins Gesicht. „Du Hure, dass du existierst ist falsch…“ Habe es verstanden. Gehe mich erbrechen. Nicht körperlich. Es sollte nie enden. Bitterkeit ist aller Übel Anfang! Sweet dreams…

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