Es gibt sie. Diese Männer. Diese seltsamen Männer deren Weltbild schon so sehr von Pornofilmen manipuliert wurde, sodass sie meinen hinter jedem „ich habe etwas im Auge“-Zwinkern stecke eine Einladung zum spontanen Toilettenfick.
Sie gehen zum Masseur und erhoffen sich, dass der Masseurin zufällig der Kittel von den großen Brüsten platzt um sie mit einem Happy Ending nach Hause zu schicken. Jeder längere Blick auf ihren offenen Hosenschlitz in der S-Bahn ist eine eindeutige Einladung der holden Weiblichkeit es hemmungslos mit ihm und dem Schrumpelpenis zu treiben.
Und manchmal, so scheint es mir zumindest, darf ich mich an meinem Arbeitsplatz mit dieser Variante von Mann herumschlagen.
Für alle die keinen blassen Dunst von gar nichts haben, eine kurze Info. Ich arbeite im Support eines Softwareunternehmens. Das Unternehmen, für das ich mich in mein Freundlichkeitskleidchen schwinge, ist sehr stolz darauf, einen so gut besetzten Support zu haben, für den die Kunden in regelmäßigen Abständen Geld abdrücken um überhaupt anrufen zu dürfen.
Ich muss nett sein, in meinem Job. Wer mich kennt wird wissen, dass mir das in vielen, vielen Fällen, also eigentlich immer, besonders wenn es sich um Fremde handelt, sehr schwer fällt. Eigentlich kann ich es überhaupt nicht. Man merkt schon, dass diese Wahl des Jobs wohlüberlegt und passend ausgesucht wurde.
Und jeden Tag rufen die unterschiedlichsten Varianten von menschlicher Abgründigkeit an. Da sind die selbsternannten Sys-Admins die meinen, nur weil sie ihren Account „Administrator“ nennen, haben sie eine Ahnung von der Materie die sich Computer nennt. Besonders liebreizend sind diese jungen Dinger mit der Piepsestimme denen man am liebsten die Stimmbänder durchbeißen möchte wenn sie nur ein einziges weiteres Mal in das Telefon säuseln, dass sie ja erst ein paar Tage mit der Anwendung arbeiten. Kicher, kicher, kicher! Oder die Omis die jahrelang auf der Schreibmaschine ihre Rechnungen tippten und nun vor einen PC gesetzt wurden weil der Chef das so wollte und schon einen Heulkrampf bekommen, wenn man zu ihnen sagt, dass doch bitte mal auf den Arbeitsplatz klicken sollen.
Doch gruselig wird es erst wenn sie anrufen diese Männer, die zwar nicht mehr mein Vater sein könnten, die aber schon ein Alter erreicht haben, bei dem man sich überlegt ob man ihnen einen Platz in der Bahn anbieten möchte. Die Variante Midlifecrises für Fortgeschrittene.
Man wird gefragt ob man denn schon verheiratet sei, es wird betont wie schön es doch sei, dass man mit so einer netten Person wie mir telefonieren dürfte. Es wird einem angeboten, dass man doch gerne mal Emailadressen austauschen könnte oder man wird durch das Telefon an die dicken Altmännerbäuche gedrückt weil man diesem Menschen gesagt hat, wie er die Anwendung überhaupt öffnet.
Ich für meinen Teil verstehe die Männer nicht. Ich habe die Theorie, die verwechseln da gerne mal was, wenn sie den Telefonhörer in der Hand halten. Die einzigen Informationen, die bei ihnen ankommen, sind die, dass sie Geld dafür bezahlen um bei mir anrufen zu dürfen und dass ich nett bin. Und schon haben wir den 0190er-Gedanken ihn diesen Männerköpfen. So hat es den Anschein. Und plötzlich wird aus einem einfachen Supportfall eine Baggersituation allererster Güte.
Bisherige Highlightbaggerei war der alte Herr im heutigen Supportzirkus mit folgender Aussage:
„Nicht Sie sind zu jung für mich, ich bin zu alt für Sie!“
Spricht für sich.